Hanau: Sektenführer sollen aussagen


Die Glaubensgruppe wurde in den 1980er Jahren gegründet und hat etwa 20 Mitglieder. Foto: imago stock&people
Die Staatsanwaltschaft will den Tod eines kleinen Jungen, der in einer Hanauer Glaubensgruppe aufwuchs und mit vier Jahren an Erbrochenem erstickt sein soll, minutiös aufklären. Jetzt sollen die Eltern und die mutmaßlichen Anführer der Gruppe vernommen werden.

Von Gregor Haschnik|Frankfurter Rundschau

Im Fall des Jungen, der in einer Hanauer Sekte aufwuchs und 1988 im Alter von nur vier Jahren an seinem Erbrochenen erstickt sein soll, hat die Staatsanwaltschaft Hanau die Vernehmung der Eltern sowie der beiden mutmaßlichen Anführer der Glaubensgruppe veranlasst.Oberstaatsanwaltschaft Jürgen Heinze betont, dass die Geladenen als Zeugen und nicht als Beschuldigte vernommen würden. Er wolle „das Geschehen weiter aufklären“, und zwar „minutiös“. Die bisherigen Ergebnisse hätten kein eindeutiges Bild ergeben.

Dem Vernehmen nach geht aus Unterlagen, die in den Häusern der Eltern und des Anführer-Ehepaars gefunden wurden, hervor, dass die Anführerin den Tod des Jungen habe kommen sehen. Allerdings sei sie nicht in der Lage gewesen, es den Eltern zu sagen. Bei einem großen Teil der sichergestellten Schreiben handelt es sich um eine angebliche Korrespondenz zwischen den Führungsfiguren der Gruppe und Gott. Aus einigen Schriftstücken lässt sich offenbar schließen, dass der Junge als ungezogen und damit als nicht gottesfürchtig betrachtet worden sei. Außerdem habe sich das Bedauern nach seinem Tode in Grenzen gehalten.

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