Jerusalem-Ghettos: Stadtviertel abriegeln ist keine Lösung


Ein Palästinenser während Zusammenstößen mit der israelischen Polizei in Nablus. (Alaa Badarneh, dpa picture-alliance)
Israels Ministerpräsident Netanjahu ist es gelungen, die Klage über den Terror vom eigenen Versagen zu entkoppeln, meint Torsten Teichmann. Sein Aktionismus lenke aber nicht von der zentralen Frage ab: Wann können die Palästinenser wieder Hoffnung schöpfen?

Von Torsten Teichmann|Deutschlandfunk

Mit dem Einsatz der Armee und der Abrieglung ganzer Stadteile im besetzten Ost-Jerusalem will Israels Regierungschef Netanjahu Attentäter stoppen. In den vergangenen zwei Wochen sind acht Menschen von Palästinensern getötet worden. Die Lage ist unhaltbar. Niemand darf gezwungen werden, in Angst zu leben. Und die israelische Regierung trägt Verantwortung für die Sicherheit in Jerusalem. Doch allein mit einer Ausgangssperre für Palästinenser wird sie dieser Aufgabe nicht gerecht.

Selbst wenn es kurzfristig gelingt, durch Checkpoints in Jerusalem einige Attentäter zu stoppen, bleiben die Ursachen des Konflikts doch bestehen.

Aber die israelische Regierung scheint sogar bereit, im Namen der Sicherheit die Lage noch zu verschärfen: Die Abriegelung palästinensischer Stadtteile ist eine Kollektivstrafe, die alle Bewohner trifft. Palästinenser erleben die Kontrollen als Willkür der Besatzungsmacht Israel. Sie fühlen sich in ihrer Ablehnung und auch ihrem Hass bestätigt. Und: Welchen Sinn macht es, die Leichen von Attentätern zurückzuhalten? Und sie nicht an die Familie zu überführen?

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