Vor der Offenbarung waren alle gleich


Reminiszenz des mittelalterlichen Islam in Europa: die Moschee von Cordoba ©Reuters
Auch im Mittelalter unterschieden sich die Glaubensanschauungen von Juden, Christen und Muslimen erheblich. Trotzdem kamen sie viel besser miteinander aus. Das zeigt ein neuer Online-Studiengang.

Von Manuela Lenzen|Frankfurter Allgemeine

Kann man die Kabbala mit dem Sufismus vergleichen? War die Anzahl der Gerechten, die seit Anbeginn der Welt zwischen Gott und Mensch vermitteln, in Islam und Judentum gleich? Unterscheiden sich die Religionen in der Rezeption des Neuplatonismus? Michael Epstein, Spezialist für islamische Mystik an der Hebrew University in Jerusalem, hat es mit seinem Auditorium nicht leicht. Vor ihm, in einem nagelneuen Seminarraum der Freien Universität Berlin, sitzen zwölf Studenten des einjährigen Master-Studiengangs „Philosophie und Ideengeschichte der mittelalterlichen Welt des Islam“. In diesem, dem zweiten Jahrgang, sind es Palästinenser, Israelis, Ägypter, Türken und Deutsche. Epstein hat ihnen Texte von al-Hakim al-Tirmidhi, einem Theosophen des neunten Jahrhunderts, mitgebracht und von Ibn Arabi, einem der berühmtesten Sufis, der 1240 in Damaskus starb. Gelesen wird im arabischen Original. „Diese Texte sind wichtig für das, was heute in der islamischen Welt passiert“, sagt Epstein.

weiterlesen