Zwei Wodka und ein Eiskaffee mit Salman Rushdie


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In Salman Rushdies Romanen haben Moguln schon Ehefrauen ins Leben geträumt und Männer Stürze aus Flugzeugen überlebt, um daraufhin skandalöse alternative Biografien Mohammeds zu träumen. Der letztere der beiden Träume stammt aus Die Satanischen Verse und überschritt 1989 die Grenze zwischen Fiktion und Realität. Ajatollah Chomeini sagte, das Buch sei „gegen den Islam, den Propheten und den Koran“, und rief in einer Fatwa zur Tötung Rushdies auf.

Von Aidan Flax-Clark|VICE

Rushdies eigene Träume haben keine solche Macht. „Sehr langweilig“, sagt der Schriftsteller über sie, als er im Russian Tea Room in New York an seinem Eiskaffee nippt. „Ich glaube, ich brauche die ganze Traumkraft in meiner täglichen Arbeit auf, deshalb träume ich vom Zeitunglesen und Spazierengehen. Ich schlafe immer sehr gut.“

Es war kurz nach 17:30 Uhr an einem Wochentag im Juli und Rushdie befand sich seit ein paar Wochen in der speziellen Phase zwischen der Fertigstellung eines Buchs und seiner Veröffentlichung. Er hatte mir zwei Stunden gegeben, und die verbrachten wir bei Drinks und einem Imbiss in einer der markanten rotledernen Sitznischen. Der Russian Tea Room, lange bekannt als ein Ort, an dem sich reiche und bedeutende New Yorker trafen—Rushdie wurde dort Mitte der 1980er von seinem Agenten Andrew Wylie geworben—war an jenem Tag fast leer. Das Café wirkte mit seinen antiken Samowaren, Kronleuchtern und vergoldeten Phönixen wie ein Mausoleum der Dekadenz.

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