«Kritik am Islam nicht als Beleidigung missverstehen»


Der Berliner Journalist und Publizist Alexander Kissler | © 2011 KNA
Der Berliner Journalist und Publizist Alexander Kissler fordert in seinem neuen Buch vom Islam eine Anerkennung der westlichen Werte. Zugleich verlangt er vom Westen, seine eigenen Traditionen wie Meinungsfreiheit und Geschlechtergleichheit gegenüber dem Islam geltend zu machen. Kissler äusserte sich am Freitag, 16. Oktober, im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) über seine im Gütersloher Verlagshaus erschienene Publikation «Keine Toleranz den Intoleranten».

Interview Andreas Otto|kath.ch

Herr Kissler, in Ihrem Buch «Keine Toleranz den Intoleranten» lassen Sie am Islam kein gutes Haar. Verträgt sich die Religion wirklich nicht mit Deutschland und dem Westen?

Alexander Kissler: Der Eindruck, dass ich am Islam kein gutes Haar lasse, ist falsch. Ich erwähne ausdrücklich die Blütezeit der islamischen Kultur, die Europa um das Jahr 1000 auf fast allen Gebieten überlegen war. Die Araber haben dem Abendland das griechische Erbe der Antike überliefert. In der Geschichte des Islam gibt es sehr verschiedene Phasen. Momentan scheint eine rigide und intolerante Form die Oberhand zu gewinnen. Und eine solche Lesart ist tatsächlich unvereinbar mit den westlichen Werten.

Sie geben viele Beispiele wie den Anschlag auf «Charlie Hebdo». Die Unterscheidung zwischen dem radikalen Islamisten und dem normalen Muslim kommt bei Ihnen etwas kurz.

Kissler: Ich unterstelle der friedlichen Mehrheit der Muslime gewiss keine bösen Absichten. Schaue ich aber auf Grundlagentexte, etwa die «Allgemeine Erklärung der Menschenrechte im Islam» oder die «Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam» von 1981 und 1990, muss ich feststellen: Menschenwürde meint unter islamischen Vorzeichen etwas ganz anderes als unter westlichen Vorzeichen. Sie gilt zunächst für Muslime. Tamim Ansary, ein amerikanischer Historiker afghanischer Herkunft, spricht von der «Unvereinbarkeit zwischen der islamischen Welt und dem Westen». Die ganze Welt muss nicht westlich werden; das ist mir ganz wichtig. Aber der Westen muss ein Recht haben, westlich zu bleiben.

weiterlesen