Dresden: Schwule Flüchtlinge von Moslems gepeinigt


Die beiden homosexuellen Flüchtlinge aus Syrien Ahmad Suliman und Rami Ktifan. Bild: dpa
„Wir sollten für die Männer tanzen, wie Frauen“: Tausende Kilometer sind sie geflohen und doch nicht sicher. In Dresden werden drei schwule Syrer von muslimischen Flüchtlinge drangsaliert.

Von Sophie Rohrmeier|DIE WELT

Ahmad Suliman neigt seinen Kopf zur Seite. Er setzt seinen Finger auf die Halsschlagader unter der gespannten Haut. Hätte Suliman sich in Syrien offenbart – hätte man ihm hier seinen Kopf vom Körper getrennt. Denn die Terrormiliz IS richtet Schwule in Syrien und im Irak öffentlich hin. Sie köpft sie, steinigt sie. Vor dieser Verfolgung ist der 20-jährige Muslim geflohen, bis nach Dresden. Wo Pegida marschiert. Und wo wieder Steine gegen ihn flogen.

Ahmad Suliman sitzt unter Holzbalken im Dachgeschoss des Dresdner Ausländerrats. In Prohlis, einem Stadtteil, in dem erst einige Tage zuvor Menschen Molotowcocktails auf eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge geworfen hatten. Der junge Syrer weiß von den Fremdenfeinden, die hier montags durch die Stadt ziehen. Aber er fühlt sich sicher. Jetzt. Denn die Steine, die sich gegen ihn richteten, kamen nicht aus Händen von Fremdenfeinden. Sondern aus den Händen von anderen Flüchtlingen.

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