Einsteins verlorener Schlüssel


Albert Einstein 1925 in Wien. Bild: Ferdinand Schmutzer/gemeinfrei

Praktisch unbekannt geblieben ist eine Formulierung mit variabler Lichtgeschwindigkeit, die Einstein bereits 1911 ausarbeitete. Sie hätte revolutionäre Konsequenzen haben können

Von Alexander Unzicker|TELEPOLIS

Angesichts der Bedeutung Einsteins für die theoretische Physik möchte man meinen, dass sein Lebenswerk genauestens untersucht ist und seine Ideen von Forschern in aller Welt weiterverfolgt werden. Leider ist das nur bedingt so. Die Würdigung seines wissenschaftlichen Erbes konzentriert sich auf ganz wenige Arbeiten, die seinen bekannten Theorien zugrunde liegen.

Besonders prominent sind die Spezielle und die Allgemeine Relativitätstheorie, die er 1905 bzw. 1915 endgültig formulierte. Aber auch die Zwischenzeit ist hochinteressant, in der Einstein mehr oder weniger ununterbrochen mit der Theorie gerungen hat. Die Geschichte reduziert oft auf das, was sich später durchsetzte. Manchmal bleibt dabei aber ein wichtiger Aspekt auf der Strecke – so scheint es auch bei der Entstehung der Relativitätstheorie zu sein, bei der ein grundlegender Gedanke Einsteins völlig in Vergessenheit geraten ist.

Jene Version, die sich im November 1915 etablierte, als singuläre Erkenntnis zu betrachten, ist zumindest historisch nicht ganz gerechtfertigt. Einstein hatte sich 1911 an etwas noch Größerem versucht, eine Idee, die die Gravitation direkt aus den Eigenschaften des Universums zu erklären versuchte – eine Theorie mit variabler Lichtgeschwindigkeit.

Einstein, der 1905 auf der Grundlage einer konstanten Lichtgeschwindigkeit seine spezielle Relativitätstheorie hergeleitet hatte, grübelte bald danach über einer Verallgemeinerung. Was für schnelle Bewegungen richtig war, konnte auch für Gravitationsfelder gelten:

Nichts zwingt uns zu der Annahme, dass … Uhren als gleich rasch gehend aufgefasst werden müssen.

Albert Einstein

Es ist erstaunlich, wie unbekannt dieser Artikel, der immerhin in den Annalen der Physik publiziert wurde, über die Zeit hinweg geblieben ist. Der Ansatz blieb nicht nur Stiefkind der Forschung, ja es wurde sogar über die variable Lichtgeschwindigkeit geschrieben, ohne dass Einstein als Urvater der Idee Erwähnung fand. Freilich hatte Einsteins Ansatz noch mehr Potenzial: Er hätte es prinzipiell ermöglicht, eine fundamentale Naturkonstante – Newtons Gravitationskonstante – zu berechnen und damit überflüssig zu machen.

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1 Comment

  1. Ach ja, der Unzicker! Warum formuliert er eigentlich seine neue Kosmologie auf Basis der veränderlichen Lichtgeschwindigkeit (und das neue teilchenmodell ohne Higgs) nicht aus, wo er doch den Schlüssel hat? Dann kann nur noch die Weltverschwörung der Physiker zwischen ihm und dem Nobelpreis stehen.

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