Christen in Syrien: Lieber Assad als der IS


In einer Kirche im Norden Syriens haben Christen Zuflucht gefunden, viele Angehörige sind in den Händen von Terroristen. Foto: Reuters
Syrische Christen unterstützen die Regierung Assad, da diese Christen und Minderheiten tolerieren würde. Putins Militärintervention gegen den IS wird als große Rettungsaktion gesehen. Bei westlichen Christen rufen derlei Aussagen große Verwirrung hervor.

Von Martin Gehlen|Frankfurter Rundschau

Immer seltener melden sich die christlichen Oberhäupter Syriens zu der Tragödie ihres Landes zu Wort. Umso markanter kürzlich der Auftritt des melkitisch-katholischen Erzbischofes von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart, im Schweizer Fernsehen. „Die russische Militärintervention gibt den Christen Syriens neue Hoffnung“, erklärte der Geistliche bei einem Besuch in Genf. „Wladimir Putin hilft der Sache der Christen, er hilft ihnen heraus aus einer unentwirrbaren Situation.“ Durch Moskau bekomme der Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) endlich absolute Priorität.

Der streitbare Oberhirte, der dem Assad-Regime stets positiv gegenüberstand, gilt auf internationalem Parkett als einer der führenden Vertreter der zwei Millionen syrischen Christen, von denen bisher 450.000 aus ihrer Heimat geflohen sind. Seine melkitisch-katholische Kirche ist mit dem Vatikan vereinigt. Die Residenz des Erzbischofs im Christenviertel von Aleppo wurde 2012 geplündert und zerstört. Trotzdem lebt der 72-Jährige weiterhin in seiner Geburtsstadt, die heute zwischen Rebellen und Regierungstruppen aufgeteilt ist. „Hier ist mein Platz“, sagt der Kleriker, der mit seinen Ansichten zu Assad unter den Kirchenführern Syriens und Libanons keineswegs alleine steht.

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