Türkei: Eine Stadt verliert ihre Kinder an den IS


Foto: REUTERS. Das Teehaus „Islam“ war die Anlaufstelle des IS in Adiyaman
Die Terroristen von Ankara kamen aus der Stadt Adiyaman. Einwohner werfen der türkischen Regierung vor, den Islamischen Staat hier geduldet zu haben. Die Geschichte eines vermeidbaren Massenmordes.

Von Deniz Yücel|DIE WELT

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“, von der Türkei geduldet? Davon will die türkische Regierung nichts wissen. Nicht nur die 102 Toten des Anschlags von Ankara, das ganze Land ist doch Opfer der Terroristen – das ist die Linie von Premier Ahmet Davutoglu und Präsident Recep Tayyip Erdogan. Doch ein Besuch in der südostanatolischen Stadt Adiyaman am Rande der kurdischen Gebiete zeigt schnell, woher der Wind wirklich weht.

200.000 Menschen leben hier, Türken und Kurden, Aleviten und Sunniten. Industrie gibt es kaum, Landwirtschaft spielt in der fruchtbaren Gegend eine große Rolle, doch gerade unter jungen Leuten ist die Arbeitslosigkeit hoch. Der Filmemacher und HDP-Politiker Sirri Süreyya Önder ist ein Sohn der Stadt, ebenso der armenische Résistance-Kämpfer Missak Manouchian, der in Frankreich als Nationalheld gilt. Und aus Adiyaman stammen auch die beiden Männer, die sich am 10. Oktober in Ankara in die Luft jagten. Einer von ihnen ist Ömer Deniz Dündar. Diesen Namen hat Davutoglu lange zuvor schon gehört.

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1 Comment

  1. Es ist wohl so, dass die türkische Regierung Mitglieder des IS in der Türkei duldet. Da besteht wohl eine Art stillschweigendes Übereinkommen. Die türkischen Sicherheitskräfte gehen nicht mit aller Härte gegen IS-Kontaktpersonen und Mitglieder vor. Der IS überzieht nicht die gesamte Türkei mit Terroranschlägen – obwohl der IS dazu in der Lage ist. Besonders sensibel wären die Tourismus-Regionen am Mittelmeer.

    Der IS hat in mehrfacher Hinsicht von der Türkei profitiert, doch das soll hier nicht Thema sein.

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