Franz Kafka und das Judentum


„Was habe ich mit Juden gemeinsam? Ich habe kaum etwas mit mir gemeinsam.“ Kafka, 1916 (picture-alliance / dpa / CTK)
Franz Kafka (1883 – 1924), der aus einer jüdischen Familie aus Prag stammte, hat das Wort Judentum zwar in seinem literarischen Werk nicht erwähnt. Dennoch hegte er eine große Sympathie besonders für die ostjüdische Kultur. Als Erwachsener lernte er Hebräisch und beabsichtigte sogar nach Palästina auszuwandern. Doch sein Gesundheitszustand ließ das nicht zu.

Von Manuel Gogos|Deutschlandfunk

„Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. Aber der Türhüter sagt, dass er ihm jetzt den Eintritt nicht gewähren könne. Der Mann überlegt und fragt dann, ob er also später werde eintreten dürfen. ‚Es ist möglich‘, sagt der Türhüter, ‚jetzt aber nicht.‘ Der Mann bückt sich, um durch das Tor in das Innere zu sehen. Als der Türhüter das merkt, lacht er und sagt: ‚Wenn es dich so lockt, versuche es doch trotz meines Verbotes hineinzugehen. Merke aber: Ich bin mächtig. Und ich bin nur der unterste Türhüter.‘ Solche Schwierigkeiten hat der Mann vom Lande nicht erwartet; das Gesetz soll doch jedem und immer zugänglich sein. Der Türhüter gibt ihm einen Schemel und lässt ihn seitwärts von der Tür sich niedersetzen. Dort sitzt er Tage und Jahre.“
(Vor dem Gesetz, Franz Kafka)

Ob in seiner Legende „Vor dem Gesetz““ oder in anderen Erzählungen: Keine der Figuren in den Werken Franz Kafkas tritt erkennbar als gläubiger Jude auf. Es war zuerst Kafkas Freund und Förderer Max Brod, der das Jüdische dieser Werke bemerkt und akzentuiert hat.

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