Netanyahus idiotische Geschichts-Theorie


Lähmende Gewalt in Jerusalem: Ultraorthodoxe starren auf den Ort, an dem ein Wachmann kurz zuvor einen Israeli erschoss, den er rrtümlich für einen palästinensischen Angreifer hielt. Foto: afp
Sind die Palästinenser womöglich auch noch Schuld am Holocaust? Eine Erklärung von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahus sorgt für Empörung. Ein renommierter israelischer Forscher nennt die Theorie „völlig idiotisch“.

Von Inge Günther|Frankfurter Allgemeine

Für die Spötter im Internet ist Benjamin Netanjahus Äußerung, eigentlich sei es der palästinensische Großmufti gewesen, der Hitler zum Holocaust überredet habe, ein gefundenes Fressen. Jede Menge Cartoons und Comments finden sich nun auf den Facebook-Seiten, woran der Mufti alles schuld war – bis hin zur Auflösung der Beatles. Aber auch aus den Kommentaren israelischer Historiker zu der Geschichtsneuschreibung ihres Premiers klingt bissige Kritik. „Komplett irreführend in jeder Hinsicht“ sei Netanjahus Befund zur Rolle des Mufti, urteilte Dina Porat, Chefhistorikerin in Israels nationaler Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Unbestritten ist, dass der einstige Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin al-Husseini extremste Ansichten vertrat und dazu ein Judenhasser war. „Aber die Geschichte, dass Hitler seine Inspiration vom Mufti erhalten habe“, pflichtete Jehuda Bauer bei, einer der renommiertesten Holocaust-Forscher in Israel, „ist etwas völlig Idiotisches“.

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