Placebo: Zuckerpillen wirken immer besser


Symbolbild, Bild: brightsblog
Symbolbild, Bild: brightsblog

Der Placebo-Effekt ist aus wissenschaftlicher Sicht noch immer ziemlich rätselhaft. Unklar ist aus Sicht der Hirnforschung, wie die „Kraft der Gedanken“ körperliche Prozesse beeinflussen kann. Fest steht aber, dass es den Effekt gibt und dass zum Beispiel Zuckerpillen oder Scheinoperationen tatsächlich eine Wirkung auf den Organismus entfalten können.

Von Patrick Spät|TELEPOLIS

Im Jahr 2002 veröffentlichte Bruce Moseley, Orthopäde und früherer Mannschaftsarzt der Basketball-Nationalmannschaft der USA, eine der bekanntesten Placebo-Studien. Für die Studie wurden 180 Patienten, die allesamt an einer starken Kniearthrose litten, in drei gleichgroße Gruppen eingeteilt.

Während bei der ersten Gruppe eine arthroskopische Spülung und bei der zweiten Gruppe ein arthroskopisches Debridement vorgenommen wurde, kam es bei der dritten Gruppe zu keinem operativen Eingriff: Ohne deren Wissen wurde bei diesen Patienten die Operation lediglich simuliert. Die Ärzte haben die Patienten der dritten Gruppe getäuscht, indem sie ihnen unter Lokalanästhesie lediglich drei kleine, oberflächliche Hauteinschnitte am lädierten Knie gesetzt haben. Zudem wurde das übliche OP-Szenario exakt simuliert, angefangen bei der Geräuschkulisse, der Verabreichung von Medikamenten, den technischen Instrumenten bis hin zu den Handlungsabläufen des OP-Teams.

Das Fazit der Studie war eindeutig: Den tatsächlich operierten Patienten ging es genauso gut wie den getäuschten Patienten. Erstaunlicherweise konnten die Ärzte dieses Ergebnis auch zwei Jahre nach der OP bestätigen: Über 90 Prozent der getäuschten Patienten (die weiterhin nichts von dem Placebo-Eingriff wussten) sprachen von einer deutlichen Linderung der Schmerzsymptome und einer verbesserten Beweglichkeit ihres Knies. Es gibt Hinweise darauf, dass beim Placebo-Effekt Endorphine, also körpereigene Opioide, ausgeschüttet werden, die als Schmerzhemmer wirken.

weiterlesen