Priester in Russland: „Alle wussten, dass ich schwul bin“


patriarch_darthSchwule sind „Perverslinge“ – da vertritt die russisch-orthodoxe Kirche einen klaren Standpunkt. Dennoch duldete sie über Jahre Artjom Wieciekowski, einen offen schwulen Priester. Dann wurde er plötzlich geoutet – und verstand seine Kirche nicht mehr.

Von Pavel Lokshin|SpON

Einen wie Artjom Wieciekowski darf es eigentlich nicht geben. Er war Priester – und er ist schwul. Homosexualität gilt in der russisch-orthodoxen Kirche als Sünde. Doch Wieciekowski ist da, er trinkt einen Tee in seiner kleinen Küche in der Wolgastadt Toljatti. Auf seinem Smartphone wischt er durch die Drohungen christlicher Fundamentalisten, die in seinem Facebook-Postfach landen, seit ihn ein russischer Journalist auf einem Internetportal gegen seinen Willen outete. „Der Typ hatte es wohl auf einen Skandal abgesehen, aber für meine alten Kollegen war das ohnehin keine Neuigkeit.“ Wieciekowski lacht.

„Ich war zwölf Jahre in der Kirche“, sagt der Ex-Priester. „Am Seminar und in der Diözese wussten alle, dass ich schwul bin, nur an die Öffentlichkeit sollte ich damit nicht.“ Noch vor einem halben Jahr hielt er am orthodoxen Theologieseminar regelmäßig Gottesdienste ab, bis er auf eigenen Wunsch ging.

weiterlesen