ARD-Tagesschau: Aufnahmen mit Wirklichkeitsbruch


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Erneut muss sich das Nachrichtenflaggschiff den Vorwurf gefallen lassen, die Realität zu verzerren

Von Marcus Klöckner|TELEPOLIS

„Auch wenn die Gesamtaussage dieses Nachrichtenfilms den Tatsachen entsprach, hätte die Verwendung der kurzen Archivbildsequenz natürlich unterbleiben müssen. Dieses Versäumnis bedauern wir.“ Mit diesen Worten zitiert Focus Kai Gniffke, den Chefredakteur von ARD-aktuell. Hintergrund: Der Tagesschau wird vorgeworfen, erneut eine fragwürdige Bildauswahl vorgenommen zu haben. Worum geht es?

Glanzvolle Lichterkette

Am vergangenen Samstag zeigte die Tagesschau einen Bericht über eine Lichterkette für Flüchtlinge in Berlin. Allerdings waren in dem Beitrag auch Bilder einer Lichterkette aus dem Jahr 2003 zu sehen, die von Menschen gebildet wurde, um ein Zeichen für Frieden und gegen den bevorstehenden Krieg im Irak zu setzen, wie der medienkritische Journalist Stefan Niggemeier auf seiner Webseite erläutert

Im Jahr 2003 beteiligten sich über 100.000 Menschen an der Lichterkette, bei der Zusammenkunft vom Samstag fanden sich aber deutlich weniger Menschen ein: 7.000-8.000 Personen laut Polizei, 20.000 laut Veranstalter. Wie konnte es dazu kommen, dass in dem Tagesschau-Beitrag Bilder auftauchten, die den Eindruck einer stärkeren Beteiligung an der Lichterkette erweckten, als es tatsächlich der Fall war? Niggemeier zitiert Gniffke wie folgt:

Dieser Nachrichtenfilm hatte eine Länge von 22 Sekunden und basierte auf dem Mitschnitt einer Live-Sendung des RBB vom gleichen Abend. In dieser Sendung wurde auch Archivmaterial aus dem Jahr 2003 verwendet, aus dem auch in der Tagesschau insgesamt rund drei Sekunden gezeigt wurden. Während im RBB im Text darauf hingewiesen wurde, dass es sich um Archivmaterial handelt, unterblieb in der Tagesschau dieser Hinweis.(Gniffke)

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