Mehr Spielräume, aber keine Reformen

Uwe-Karsten Plisch: „Je kleiner das Ergebnis, desto größer war vermutlich die Kontroverse.“ Vier Bischöfe auf dem Weg zur Familiensynode im Vatikan. (dpa / picture alliance / Fabio Frustaci / Eidon)
Lange saßen die Bischöfe in Rom zusammen, die Ergebnisse werden von vielen als dürftig empfunden. Auch Uwe-Karsten Plisch von der Initiative „Kirche von unten“ kann den Empfehlungen der Familiensynode kaum etwas abgewinnen.

Uwe-Karsten Plisch im Gespräch mit Dieter Kassel|Deutschlandradio Kultur

Die Initiative „Kirche von unten“ ist von den Ergebnissen der Bischofssynode in Rom enttäuscht. Im Deutschlandradio Kultur sagte Uwe-Karsten Plisch von der Initiative, es werde sich wohl wenig ändern. Einzelfallprüfungen für wiederverheiratete Geschiedene erhöhten die Spielräume – diese könnten jederzeit aber auch wieder verengt werden. Die Synode hatte sich unter anderem mit der Frage befasst, wie wiederverheiratete Geschiedene wieder stärker in die christliche Gemeinschaft integriert werden können. Dass die Frage des Umgangs mit Homosexuellen nur am Rande vorgekommen sei, beurteilte Plisch als „nicht überraschend“ und verwies auf einen polnischen Priester, der sich kurz vor der Synode geoutet hatte. Die Synode in Rom hatte sich für eine vorsichtige Öffnung ausgesprochen, ohne aber echte Reformen anzustoßen. Wiederverheiratete Geschiedene dürfen hoffen: So könnte die Zulassung zur Kommunion künftig von Einzelfallprüfungen durch Priester abhängen.

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Greg Graffin, von Bad Religion, über Evolution und Zusammenleben

Greg Graffin ist wohl die perfekte Symbiose aus Professor und Punk auf Lebenszeit. Foto: digoboston | Flickr | CC BY 2.0
Jeden Herbst gibt der promovierte und stets gut gelaunte Evolutionsbiologe Greg Graffin an der Cornell University Vorlesungen zum Thema Evolution. Den Rest des Jahres ist er dann damit beschäftigt, als Frontman des Punkrock-Urgesteins Bad Religion dem Publikum bei Konzerten ordentlich einzuheizen. Letzten Monat hat Graffin sein Ego und Alter Ego zum ersten Mal zusammengebracht, als er akustische Bad-Religion-Lieder spielte, während er mit seinem neuen Buch Population Wars: A New Perspective on Competition and Coexistence auf Promo-Tour war.

Von Mike Doherty|VICE.com

Population Wars ist mit seiner Vielzahl an Fußnoten und Referenzen ohne Zweifel ein akademisches Werk, weist gegenüber traditionellen amerikanischen Werten wie etwa der Vorstellung von einem gewinnbaren Krieg oder Konkurrenzdenken aber trotzdem eine ziemlich punkige Attitüde auf. Graffin betrachtet diese Themen aus einem geologischen und zoologischen Blickwinkel und nimmt uns dabei mit auf eine Zeitreise durch die menschliche Evolution, um zu zeigen, wie Menschen nie in der Lage gewesen sind, ihre Feinde zu zerstören—eine Vermischung und Assimilation sind unumgänglich.

Graffin argumentiert damit, dass die Vorstellung vom menschlichen Konkurrenzkampf historisch gesehen verpufft. Das Leben hat laut ihm keinen höheren Sinn und der freie Wille ist zum Großteil nur Einbildung, denn unsere Entscheidungen werden von vielen Faktoren beeinflusst—zum Beispiel auch davon, wie uns die Bakterien in unserem Inneren an diesem und jeden Tag fühlen lassen. Und trotzdem kommt der Evolutionsbiologe zu dem Schluss, dass wir im großen evolutionären Bild immer noch freier sind als irgendein anderes Wirbeltier da draußen, denn wir besitzen die Fähigkeit, logisch zu denken.

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Brüssel zieht düstere Bilanz zu Menschenrechten in Türkei

Für die Türkei konstatiert der Entwurf des Fortschrittsberichts «bedeutende Rückschritte auf dem Gebiet der Meinungs- und Versammlungsfreiheit». (Foto: Flickr Turkey by Moyan Brenn CC BY 2.0)
Die EU wirbt um die Türkei. Das Land ist ein wichtiger Transitstaat für Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Doch die Lage dort macht nach einem Medienbericht der EU-Kommission Sorgen.

Deutsch Türkische Nachrichten

Die EU-Kommission sieht nach einem Zeitungsbericht Anlass zu scharfer Kritik an der Menschenrechtssituation in der Türkei. Das berichtete die «Welt am Sonntag» unter Bezug auf einen Entwurf der Brüsseler Behörde zum sogenannten Fortschrittsbericht. Darin zieht die EU-Kommission jährlich Bilanz zur Lage in EU-Kandidatenländern. Für die Türkei konstatiert der Entwurf demnach «bedeutende Rückschritte auf dem Gebiet der Meinungs- und Versammlungsfreiheit». Eine Sprecherin der Behörde wollte den Artikel nicht kommentieren.

Politische Aktivisten und Journalisten würden «eingeschüchtert» und durch «übermäßigen Einsatz von Gewalt» in ihren Grundrechten eingeschränkt, heißt es der Zeitung zufolge in dem Papier. Auch die Grundrechte von Lesben, Schwulen, Trans- und Intersexuellen würden nicht ausreichend geschützt. Zudem fordere der Bericht eindringlich eine Rückkehr zum Friedensprozess mit den Kurden und mahnt ein «entschlossenes Vorgehen» gegen islamistische Terroristen in der Türkei an.

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Ozonloch so groß wie vor neun Jahren

Überraschende Rückkehr: Nach jahrelangem Schrumpfen ist das Loch in der Ozonschicht über der Antarktis wieder stark gewachsen. Satellitendaten zeigen ein Ozonloch von der Größe Nordamerikas. Ursache für diese überraschende Ausdehnung sind geänderte Strömungen in der oberen Atmosphäre. Der stabile Polarwirbel, der die ozon-abbauenden Schadstoffe über der Antarktis einschließt, bildete sich dadurch später und viel stärker.

scinexx

Die Ozonschicht über der Antarktis ist noch lange nicht gerettet. Das Verbot der ozonabbauenden FCKW gegen Ende des letzten Jahrtausends war zwar ein entscheidender Schritt, doch die langlebigen Schadstoffe befinden sich noch immer in großen Mengen in der Atmosphäre.

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Dem Hass widersprechen

(Foto: epd-bild / Christian Ohde)
„Auch ich trage dieses Band“, sagt Diakoniepräsident Ulrich Lilie und zeigt auf sein Handgelenk. „Weil ich mit diesem Band ‚ja‘ sagen möchte. Ja zu den vielen Flüchtlingen in unserem Land, ja zu einem menschenfreundlichen und offenen Deutschland.“
 

Von Matthias Klein|EKD

Die Diakonie Deutschland dieses Video vorletzte Woche auf Facebook gepostet, um auf eine Aktion mehrerer Verbände hinzuweisen: Sie vertreiben bunte Stoff-Armbänder mit Willkommens-Aufdruck, deren Erlös in die Flüchtlingshilfe geht. In dem sozialen Netzwerk bekam die Diakonie dafür Hunderte Hasskommentare.

„Wir waren geschockt“, berichtet Stephan Röger, Online-Manager der Diakonie Deutschland. „Wir waren absolut überrascht vom Ausmaß und der Massivität der Kommentare.“ Bis zum Mittwoch letzter Woche erreichte die Diakonie mit diesem Post mehr als 91.000 Menschen – mehr als 3.000 Kommentare wurden dazu geschrieben. Die seien überwiegend negativ, zahlreiche inakzeptabel, sagt Röger. Das Team habe einige gelöscht und zwei Kommentatoren angezeigt.

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Philosoph Omri Boehm:“Zionismus nicht vereinbar mit humanistischen Werten“

Haifa in Israel ist der Geburtsort von Omri Boehm. (picture-alliance / dpa / Andreas Keuchel)
Zwischen einem jüdischen und einem demokratischen Staat besteht ein Widerspruch – diese Ansicht vertritt der israelische Philosoph Omri Boehm. Denn um jüdisch zu sein, müsse man „jüdisches Blut“ haben – und ein Staat könne keine liberale Demokratie sein, wenn er sich zugleich erlaubt, ethnisch nicht neutral zu sein, sagte er im DLF.

Omri Boehm im Gespräch mit Natascha Freundel|Deutschlandfunk

Natascha Freundel: Am Mikrofon begrüßt Sie Natascha Freundel. Mir gegenüber im Studio sitzt der israelische Philosoph Omri Boehm, der als Professor in New York an der Universität für Sozialforschung, an der New School, unter anderem Kant, Descartes und Spinoza unterrichtet. Herzlich willkommen, Herr Boehm!

Omri Boehm: Hallo!

Freundel: Omri Boehm wurde 1979 in Haifa geboren und ist in der kleinen Ortschaft Gilon im Norden Israels aufgewachsen. Er ist ein israelischer Jude und deutscher Staatsangehöriger, mit einer – ich zitiere ihn – „bildungsdeutschen jüdischen Großmutter und einem traditionsverhafteten iranischen jüdischen Großvater“. Omri Boehm hat in Tel Aviv studiert und in Yale promoviert, über „Kants Kritik an Spinoza“. Er hat in Heidelberg und München gelebt und geforscht und er schreibt meinungsstarke Artikel, etwa in der israelischen Zeitung Haaretz oder hierzulande in der ZEIT, in denen er das politische Denken und Handeln Israels sehr heftig kritisiert. Und wir wollen mit Omri Boehm über sein Heimatland reden und über die deutsch-israelischen Beziehungen, die – auf diplomatischer Ebene – seit 50 Jahren bestehen. Zunächst aber möchte ich Sie fragen, Herr Boehm, welche familiären Beziehungen Sie zu Deutschland haben? Sie sprechen von Ihrer „bildungsdeutschen“ Großmutter – woher stammte sie?

Boehm: Meine Großmutter stammte aus Breslau. Sie hat Breslau ’39 verlassen, als sie 16 war oder so. Als ein Kind habe ich mit ihr natürlich kein Deutsch gesprochen. Und auch sehr wenig über Deutschland. Aber dann irgendwann als ich nach Berlin zum ersten Mal gekommen bin, das war 2001, habe ich irgendwann verstanden, ach, Berlin ist sehr interessant, wir müssen meine Großmutter doch auch wieder nach Berlin bringen. Dann hat mein Vater sie nach Berlin gebracht, und zusammen waren wir hier für eine Woche. Das war sehr interessant und so haben wir angefangen, mehr über Deutschland und so zu sprechen.

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Atheismus-Wahn in den USA: Wieder wird ein gläubiger Footballer diskriminiert

Dante Turo, Bild: jesus.ch
Dante Turo (17) ehrte nach einem Touch-Down Gott, indem er mit dem Finger nach oben zeigte. Das wertete der Schiedsrichter als «unsportliches Verhalten», Turos Erfolg wurde nicht gewertet und der Referee forderte, er solle dies künftig nicht mehr tun.

Von Daniel Gerber|Jesus.ch

Dante Turo, Quarterback der Mexico High School in New York, wurde von seinen Eltern dazu erzogen, Gott stets die Ehre zu geben. Dies wendete er auch auf dem Football-Feld an. «Wenn du einen Touch-Down erringst, wenn du gut spielst, kann es schnell passieren, dass du stolz wirst», erklärte ihm sein Vater Geno Turo. «Es ist einfach, die Ehre für sich zu behalten.» Sein Daddy wollte nicht, dass Dante davon mitgerissen wird.

Geno, der in einem kleinen Ort nördlich der Stadt Syracuse im US-Bundesstaat New York lebt, ermutigte seinen Sohn, einen sanften Weg zu finden, den Herrn zu ehren, wenn er grossartig gespielt hatte.

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Salafisten machten Raubzüge in Kirchen – Prozessbeginn in Köln

justiz_grossStaatsanwaltschaft wirft acht jungen Männern vor: Einbrüche in Kirchen und Schulen, um den bewaffneten Dschihad in Syrien finanziell zu unterstützen, „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

kath.net

Acht junge Männer, die vermutlich aus der salafistischen Szene stammen, sind angeklagt, über Jahre hinweg Einbrüche in Kirchen und Schulen begangen zu haben, um damit den bewaffneten Dschihad in Syrien zu unterstützen. Dafür müssen sie sich seit letzter Woche vor dem Kölner Landgericht verantworten. Darüber berichtete die „Welt“. Der Prozess begann unter erhöhen Sicherheitsvorkehrungen. Die Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Die „Welt“ bezeichnete den Prozess als „Mammutverfahren“. Die Anklage lautet auf schweren Raub und Diebstahl, auf „Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“.

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Puppenspiel mit Live-Gesichtern

Im wahrsten Sinne in den Mund gelegt: Die Mimik und Lippenbewegungen eines Sprechers überträgt ein internationales Forscherteam in Echtzeit auf das Videosignal eines anderen Menschen. Gestik und Kopfbewegungen bleiben dabei perfekt erhalten. Mit der raffinierten Bilderkennungstechnik sollen etwa bessere Filmsynchronisationen möglich sein – aber auch Live-Übertragungen sind damit anfällig für Manipulationen.

scinexx

Live-Übertragungen im Fernsehen bringen wichtige Momente direkt ins Wohnzimmer, vom Fußball-Finale bis zu Ergebnissen der Bundestagswahl. Wir erfahren solche Ereignisse so unvermittelt und vor allem unverfälscht. „Live“ bedeutet für uns, dass wir tatsächlich sehen was geschieht.

Dynamische Videos als Herausforderung

Doch mit einem System, das Wissenschaftler um Christian Theobalt vom Max-Planck-Institutfür Informatik (MPII) in Saarbrücken entwickelt haben, wäre diese Unverfälschtheit nicht mehr so sicher: Ein Nachrichtensprecher etwa könnte auf dem Bildschirm sprechen, während er in Wahrheit nicht einmal den Mund öffnet – jemand anders steuert die Mundbewegungen täuschend echt.

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Antijudaismus als Konstante

foto: picturedesk.com Eine entscheidende Figur für das „Judaisieren“ ist für David Nierenberg Augustinus, der die Juden mit einem Text aus ihrem eigenen heiligen Buch deutet: „Töte sie nicht, damit mein Volk es nicht vergesse; lass sie herumirren in deiner Macht.“
David Nirenberg zeigt in zwei aufsehenerregenden Büchern, dass die Distanzierung vom Judentum zum Kern des westlichen Denkens und Weltbilds gehört

Von Bert Rebhandl|derStandard.at

Gelegentlich gibt es auch heute noch Bücher, die einen mit ihrer Gelehrsamkeit förmlich erdrücken. In der Zeit, die man für eine genaue Lektüre von David Nirenbergs ideengeschichtlicher Studie „Antijudaismus. Eine andere Geschichte des westlichen Denkens“ braucht, schreiben andere ganze Romane.

Doch es lohnt sich, hier bis in die ausführlichen Fußnoten hinein ins Detail zu gehen. Denn aus den zahllosen, teils sehr entlegenen Fundstücken entsteht eine große, beunruhigende Denkfigur, die der Sozialwissenschafter von der University of Chicago mit dem amerikanischen Titel seines Buches deutlicher benennt, als es die deutsche Übersetzung tut: „Antijudaism. The Western Tradition“ heißt es dort. Der Verlag C. H. Beck hat sich für einen vorsichtigeren Untertitel und einen unbestimmten Artikel entschieden.

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„Rom hat bis heute kaum etwas dazugelernt“

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Der Gedanke der Barmherzigkeit hat sich durchgesetzt, sagt der katholische Theologe Hermann Häring. Doch in seiner Analyse der Familiensynode des Vatikan vermisst er eine klare Kante. Beim Thema Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene bleiben die Bischöfe vage, Homosexualität wird nur in einem Nebensatz erwähnt. Jetzt muss Papst Franziskus entscheiden.

Von Manon Priebe|evangelisch.de

Die Familiensynode im Vatikan ist vorbei. Schlägt die katholische Kirche jetzt neue Töne in ihrer Familienpolitik an?

Hermann Häring: Der Gedanke der Barmherzigkeit hat sich durchgesetzt. Das ist gut so. Die Synode verurteilt Sex vor der Ehe nicht mehr, auch über unverheiratete Paare und reine Zivilehe wird nicht mehr negativ geredet. Diese Formen des Zusammenlebens werden eher als Prozess gesehen, der aber bitteschön in der vollwertigen christlichen Ehe münden solle. Das ist ein großer Fortschritt für die katholische Kirche, da sie Abstand genommen hat vom reinen Moralismus.

Betont wird auch, die Synode habe sich hinsichtlich der Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten geöffnet.

Häring: Optimisten erkennen hier einen positiven Trend, aber leider hat man sich vor einem klaren Entschluss gedrückt. Was nicht allzu schlimm ist, da Papst Franziskus sich nun die Freiheit nehmen kann, Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen. Es liegt jetzt in seinen Händen.

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Jüdische Gemeinde ehrt Islamhasser und wirbt für Religionsvielfalt

Der jüdische Stern © Cha già José @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf hat mit der Auszeichnung des als Islamfeind bekannten Schriftstellers Abdel-Samad für Verwirrung gesorgt. Auf derselben Veranstaltung warb die Gemeinde für ein neues jüdisches Gymnasium, auf das Schüler verschiedenen Glaubens gehen sollen.

MiGAZIN

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf wird im kommenden Jahr ein eigenes Gymnasium eröffnen. Der Vorstandsvorsitzende der drittgrößten jüdischen Gemeinde in Deutschland, Oded Horowitz, sagte, das Gymnasium werde nach jahrelangen Gesprächen mit der Stadt nun zum Schuljahresbeginn am 24. August 2016 starten. Die Schule soll vierzügig sein und im Endausbau 750 Schüler haben. Nach Horowitz‘ Worten werden rund 40 Prozent der Schüler jüdischen Glaubens sein.

Er denke, dass der neben der jüdischen Ausrichtung vorgesehene naturwissenschaftliche Schwerpunkt des Gymnasiums auch ausreichend interessierte Schüler und Eltern anderer Religionen anspreche, sagte Horowitz bei der Verleihung der Josef-Neuberger-Medaille in Düsseldorf. Wenn Schüler verschiedenen Glaubens an einer Schule seien, werde das zudem das gegenseitige Verständnis fördern und Vorurteile abbauen.

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Maas lehnt Verbot von Pegida-Demonstrationen ab

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ist gegen ein Verbot von Pegida-Demonstrationen. – Foto: dpa/Soeren Stache
Der Pegida-Marsch in Dresden steht nach der Hetze gegen Flüchtlinge und Politiker der Vorwoche unter besonderer Beobachtung. Ein Verbot kommt für Justizminister Maas nicht in Betracht.

DER TAGESSPIEGEL

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat den Teilnehmern an den Pegida-Demonstrationen eine Mitverantwortung an ausländerfeindlichen Straftaten gegeben. „Wer da mitmacht, trägt auch moralische Verantwortung für die Taten, die auf diese radikale Hetze folgen“, sagte Maas der „Bild“-Zeitung.

Bei der für Montag geplanten neuerlichen Pegida-Demonstration in Dresden würden „Polizei sehr sorgfältig beobachten, ob bei Pegida Straftaten begangen werden“, sagte Maas. Sollte es erneut zu volksverhetzenden Äußerungen kommen, könnten „solche Hassredner ausgeschlossen werden“.

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Akif Pirinçci: Deutschlands nützlicher Idiot

Szene aus dem ZDF Mittagsmagazin vom 2.4.14 mit Akif Pirinçci
Pirinçci ist wie der Mustersklave Stephen aus Quentin Tarantinos „Django Unchained“. Als nützlicher Idiot spricht er jene kruden Gedanken aus, die viele denken aber sich zu fein sind, sie selbst zu äußern.

Von Lalon Sander|MiGAZIN

Die deutsche Rechte hat einen neuen, ungewöhnlichen Star, Akif Pirinçci, ein eingebürgerter türkischer Einwanderer und Autor von „Sachbüchern“, die so hasserfüllte wie skurrile Titel wie „Die große Verschwulung“ oder „Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer“ haben. Bisher hatten konservative Medien wenige Probleme damit, Pirinçcis Sexismus, Homophobie und Rassismus mit Verweis auf seine Herkunft zu entpolitisieren. Wenn selbst ein Einwanderer so etwas über Einwanderer und Muslime sagt, muss wohl etwas dran sein.

Das scheint sich nun zu ändern, denn Pirinçci hat etwas getan, das selbst für manche Konservative die letzten Grenzen überschreitet. Vor 20.000 versammelten „besorgten Bürgern“ sprach er von Asylsuchenden als „flüchtende Schlampen“ und warnte davor, dass Deutschland zu einer „Moslemmüllhalde“ werde und unterstellte, dass die Mächtigen in Deutschland die Islamophoben („das eigene Volk“!) des Landes gerne in Konzentrationslager stecken würden. Die Rede ging offenbar sogar den weißen Demoanführern zu weit, weshalb sie Pirinçci von der Bühne komplimentierten – um danach die eigenen hasserfüllten Reden zu halten.

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Blair: Irakinvasion trug zum Entstehen des IS bei

foto: ap photo/matt rourke Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair räumt ein, dass die Irak-Invasion zum Entstehen des „Islamischen Staates“ beigetragen hat.

Sicherheitsvakuum entstand – Militäraktion war aber richtig

derStandard.at

Der frühere britische Premierminister Tony Blair hat eingeräumt, dass die Militärinvasion zum Sturz von Saddam Hussein im Irak 2003 zum Entstehen der Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) beigetragen hat. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview des Senders CNN sagte Blair auf die Frage, ob die damalige Invasion ein Hauptgrund für den Aufstieg des IS gewesen sei, da sei etwas Wahres dran.

Jene, die 2003 daran beteiligt gewesen seien, Saddam zu stürzen, trügen auch eine Verantwortung für die Lage im Jahr 2015, hieß es weiter.

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Die große Hilflosigkeit: Homosexualität und Glorifizierung der Ehe

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Wer auf eine Revolution im Vatikan in Sachen Homosexualität gehofft hatte, wird bitter enttäuscht. Das Abschlussdokument der Synode intensiviert seine Glorifizierung der traditionellen Ehe. Schwulenfreundlich möchte man sich zeigen, indem man katholischen Familien, die unter einem schwulen Familienmitglied leiden, Hilfe anbietet. Das lässt Schlimmstes befürchten.

Von David Berger|TELEPOLIS

Drei Wochen hat die Familiensynode in Rom getagt und herausgekommen ist ein Dokument mit 94 Abschnitten, die versuchen das gegenwärtige katholische Denken zum Themenfeld Familie, Ehe und Sexualität wiederzugeben. Gestern haben es die 270 Synodenväter verabschiedet.

Für all jene, die auf eine Öffnung der Kirche in den neuralgischen Punkten gehofft hatten, ist das Ergebnis eine große Enttäuschung. In Sachen Zweitehe, künstliche Empfängnisverhütung, Sex vor der Ehe, Onanie und Homosexualität bleibt die Kirche bei ihrer bisherigen Doktrin.

Lediglich eine Aufwertung der traditionellen Ehe und Familie haben die Konservativen erreicht. Während bislang der zölibatäre Stand des Priesters über dem der Eheleute stand, spricht die Synode jetzt auch von einer Berufung zur Ehe und stellt damit die Ehe zwischen Mann und Frau auf eine Stufe mit dem Priestertum. Ein Gedanke, der den ersten 1700 Jahren der katholischen Kirche völlig fremd war.

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Hirschhausen nennt Weihrauch die „Nebelmaschine der Frühmoderne“

Eckart von Hirschhausen. Bild: ZDF.de
Eckart von Hirschhausen. Bild: ZDF.de
Eckart von Hirschhausen vermisst in der evangelischen Kirche Rituale und Inszenierungen.
 

evangelisch.de

„Da haben wir Protestanten das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und auf vieles verzichtet, was von direkter Wortverkündigung ablenkt“, sagte Hirschhausen dem Magazin „chrismon spezial„. Zu den katholischen Bräuchen stellte der 48 Jahre alte Kabarettist fest: „Weihrauch ist die Nebelmaschine der Frühmoderne.“

In dem Doppelinterview mit Julia Klöckner stimmte ihm die CDU-Politikerin zu: „Feiern können wir Katholiken gut, das stimmt.“ Klöckner schwärmte vom Barocken, „das einen in himmlische Höhen mitnimmt“ und nannte auch „die Malereien in der Kirche, wenn man im Gottesdienst mal abschweift“. „Atmosphärisch haben wir schon einiges zu bieten“, sagte die 42-Jährige.

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Verschleiert? „Dat ham wer jetzt häufiger“

Kenza Drider, snapshot brightsblog, Themenbild
Kenza Drider, snapshot brightsblog, Themenbild
In Köln-Ehrenfeld nimmt der Einfluss konservativer Muslime zu. Viele Bürger nehmen die Veränderungen kaum wahr – bis plötzlich eine Frau mit Ganzkörperschleier neben einem in der Bäckerei steht.

Von Hildegard Stausberg|DIE WELT

Eine Freundin von mir wohnt in Köln-Ehrenfeld. Früher war das eher ein Viertel für Arbeiter und „kleine Leute“. Aber nicht zuletzt durch die attraktive Bausubstanz aus dem späten 19. Jahrhundert, die wie ein Wunder den Krieg überlebte, ist es heute gerade für junge Familien richtig „in“. Außerdem leben in Ehrenfeld seit Jahrzehnten schon viele Türken. Dort steht auch die große Zentralmoschee, deren Bau vor einigen Jahren Schlagzeilen machte.

Diverse Probleme zwischen dem staatlichen türkischen Bauträger Ditib und dem deutschen Architekten Paul Böhm provozierten den Stillstand des bautechnisch längst beendeten Vorhabens. Jetzt steht die Moschee da – eine höchst anspruchsvoll gestaltete Architekturruine – und wartet auf den offiziellen Bauabschluss, die Einweihung und tägliche Nutzung.

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Schwarzer will schwärzen – ein Phall für „Emma“

Alice Schwarzer, Bild: youtube Screenshot: bb
Alice Schwarzer, Bild: youtube Screenshot: bb
Bei Enthüllungen über Alice Schwarzer soll das Private doch nicht politisch sein

Von Markus Kompa|TELEPOLIS

BILD-Zeitungs-Kollumnistin Alice Schwarzer, die sich über das Privatleben etwa von einem Ex-Wettermoderator oder einem französischen Staatschef zu verbreiten pflegte, macht nun selbst ihre Persönlichkeitsrechte geltend. So ließ sie den Verlag des Enthüllungsbuchs Tango mit Alice ihrer einstigen Geliebten Waltraud Schade abmahnen, in dem Schade die damalige Beziehung und Details daraus öffentlich machen will. Der Fall ist inzwischen am Landgericht Köln anhängig, der für September geplante Erscheinungstermin wurde auf November verschoben. Bereits bei ihrer Steueraffäre hatte Journalistin Schwarzer auf ihre Privatsphäre gepocht.

Grundsätzlich sind Intim- und Privatsphäre vom Persönlichkeitsrecht stark geschützt. Dies umfasst auch geheim gehaltene Beziehungen von Deutschlands prominentester Emanze zu Partnerinnen und Partnern. Auch diese sind nicht ohne Weiteres berechtigt, Details etwa aus dem gemeinsamen Intimleben öffentlich zu machen, sofern der andere Partner nicht eingewilligt oder sich insoweit der Öffentlichkeit gegenüber geöffnet hat. Eine solche Selbstöffnung wäre etwa bei Homestorys oder Memoiren der Fall.

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A Mysterious Piece of Space Junk Is Headed for Earth, and Astronomers Are Stoked

Image credit: NASA
Image credit: NASA
An unidentified piece of space debris originating from beyond the Moon is giving astronomers the rare chance to observe an object on a collision course with Earth.

By Rachel Pick|MOTHERBOARD

The object, named WT1190F, is unique in that its trajectory has been unusually easy for scientists to determine; with most space objects, accurately pinpointing a date of impact is difficult. But Bill Gray, from NASA’s Jet Propulsion Laboratory, has even established a time for entry: 6:20 AM UTC, on November 13.

WT1190F’s entry will give astronomers across the globe the chance to test out the network they’ve established amongst themselves in case a more dangerous space object sets its course for Earth. Most of WT1190F will burn up in the atmosphere, and what’s left will plunk into the Indian Ocean, so it poses little danger—though Gray told Nature he “would not necessarily want to be going fishing directly underneath it.”

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