Greg Graffin, von Bad Religion, über Evolution und Zusammenleben


Greg Graffin ist wohl die perfekte Symbiose aus Professor und Punk auf Lebenszeit. Foto: digoboston | Flickr | CC BY 2.0
Jeden Herbst gibt der promovierte und stets gut gelaunte Evolutionsbiologe Greg Graffin an der Cornell University Vorlesungen zum Thema Evolution. Den Rest des Jahres ist er dann damit beschäftigt, als Frontman des Punkrock-Urgesteins Bad Religion dem Publikum bei Konzerten ordentlich einzuheizen. Letzten Monat hat Graffin sein Ego und Alter Ego zum ersten Mal zusammengebracht, als er akustische Bad-Religion-Lieder spielte, während er mit seinem neuen Buch Population Wars: A New Perspective on Competition and Coexistence auf Promo-Tour war.

Von Mike Doherty|VICE.com

Population Wars ist mit seiner Vielzahl an Fußnoten und Referenzen ohne Zweifel ein akademisches Werk, weist gegenüber traditionellen amerikanischen Werten wie etwa der Vorstellung von einem gewinnbaren Krieg oder Konkurrenzdenken aber trotzdem eine ziemlich punkige Attitüde auf. Graffin betrachtet diese Themen aus einem geologischen und zoologischen Blickwinkel und nimmt uns dabei mit auf eine Zeitreise durch die menschliche Evolution, um zu zeigen, wie Menschen nie in der Lage gewesen sind, ihre Feinde zu zerstören—eine Vermischung und Assimilation sind unumgänglich.

Graffin argumentiert damit, dass die Vorstellung vom menschlichen Konkurrenzkampf historisch gesehen verpufft. Das Leben hat laut ihm keinen höheren Sinn und der freie Wille ist zum Großteil nur Einbildung, denn unsere Entscheidungen werden von vielen Faktoren beeinflusst—zum Beispiel auch davon, wie uns die Bakterien in unserem Inneren an diesem und jeden Tag fühlen lassen. Und trotzdem kommt der Evolutionsbiologe zu dem Schluss, dass wir im großen evolutionären Bild immer noch freier sind als irgendein anderes Wirbeltier da draußen, denn wir besitzen die Fähigkeit, logisch zu denken.

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