„Rom hat bis heute kaum etwas dazugelernt“


REUTERS/Yves Herman
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Der Gedanke der Barmherzigkeit hat sich durchgesetzt, sagt der katholische Theologe Hermann Häring. Doch in seiner Analyse der Familiensynode des Vatikan vermisst er eine klare Kante. Beim Thema Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene bleiben die Bischöfe vage, Homosexualität wird nur in einem Nebensatz erwähnt. Jetzt muss Papst Franziskus entscheiden.

Von Manon Priebe|evangelisch.de

Die Familiensynode im Vatikan ist vorbei. Schlägt die katholische Kirche jetzt neue Töne in ihrer Familienpolitik an?

Hermann Häring: Der Gedanke der Barmherzigkeit hat sich durchgesetzt. Das ist gut so. Die Synode verurteilt Sex vor der Ehe nicht mehr, auch über unverheiratete Paare und reine Zivilehe wird nicht mehr negativ geredet. Diese Formen des Zusammenlebens werden eher als Prozess gesehen, der aber bitteschön in der vollwertigen christlichen Ehe münden solle. Das ist ein großer Fortschritt für die katholische Kirche, da sie Abstand genommen hat vom reinen Moralismus.

Betont wird auch, die Synode habe sich hinsichtlich der Zulassung Wiederverheirateter zu den Sakramenten geöffnet.

Häring: Optimisten erkennen hier einen positiven Trend, aber leider hat man sich vor einem klaren Entschluss gedrückt. Was nicht allzu schlimm ist, da Papst Franziskus sich nun die Freiheit nehmen kann, Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen. Es liegt jetzt in seinen Händen.

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