Bilderverbot: Die Freiheit Gottes und des Menschen


In ihrer Schlichtheit ist die Amsterdamer Westerkerk ein typisch reformierter Kirchenbau. (Foto:epd-Bild/Thomas Lohnes)
Am Reformationstag geht das Themenjahr „Bild und Bibel“ im Rahmen der Lutherdekade zu Ende. Aus diesem Anlass erklärt der Kirchenpräsident der Evangelisch-Reformierten Kirche, Martin Heimbucher, warum Protestanten, die von den Schweizer Reformatoren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin geprägt sind, Bilder und Statuen in Kirchen ablehnen und dass dafür triftige theologische Gründe sprechen.

Von Martin Heimbucher|EKD

In provozierendem Nichtdesign kam zum Reformationstag 2014 das Magazin zum EKD-Themenjahr „Bild und Bibel“ daher. Es war eingehüllt in einen blendend weißen Umschlag, und erst beim näheren Hinsehen entdeckt man auf der Titelseite etwas Figürliches: Weiß auf weiß, aufgetragen im Glanzlack, zeichnen sich die Umrisse von Füllfederhalter und Pinsel ab. Und diese sind zusammengefügt zu einem Kreuz. Ist das also das biblische Bilderverbot, der blasse Hintergrund eines in Christus versöhnten Kampfes zwischen Bild und Wort?

So lässt sich das in seiner optischen Zurückhaltung auffällige Cover vielleicht deuten. Entsprechend hat zwischen den beiden Umschlagseiten eine wahrhaft bunte Mischung Platz gefunden: anregend und ansprechend wirken Wort und Bild schiedlich-friedlich vereint – ein Magazin eben, das die Reformation als Medienereignis vorstellt und deutet.

Auch Terroristen nutzen Macht der Bilder

Dabei hatte sich der uralte Kampf zwischen Wort und Bild kaum dramatischer zurückmelden können, als zu Beginn des Themenjahres: Wenige Wochen nach Erscheinen des EKD-Heftes erlebten wir im Zentrum von Paris den Terroranschlag auf die satirische Zeitschrift Charlie Hebdo. Die Terroristen erklärten sich zu Vollstreckern des Bilderverbots. Durch ihre Untat wollten sie die vermeintlich durch Karikaturen verletzte Ehre Allahs durch Vergeltung wiederherstellen. Freilich platzierten die erklärten Feinde des Abbilds ihrerseits Bilder, mit denen sie ihre Gewalttat zu einem religiösen Kampf stilisieren wollten.

So schob sich überall in der Welt das Bild schwarzgekleideter Egoshooter vor die Wahrnehmung des Islam. Die selbsternannten Kämpfer gegen das Abbild Gottes errichteten mit ihrem Anschlag selber ein Götzenbild: Ihr Gott ist also ein in seiner Ehre verletzter gnadenloser Rächer. So bedienen sich terroristische Bilderstürmer selber der Sprache der Bilder.

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