Philipp Melanchthon: Der Humanist und die Affäre der Dunkelmännerbriefe


Martin Luther (2.v.r.) und Philipp Melanchthon (r.) auf Gemälden von Lucas Cranach dem Jüngeren im Augusteum in Wittnerberg. (dpa/picture alliance/Hendrik Schmidt)
Der Philosoph und Theologe Philipp Melanchthon war neben Martin Luther einer der wichtigsten Kirchenreformatoren Europas. Er galt als Wunderkind und wurde zu einem der bedeutendsten Gelehrten im deutschen Raum.

Von Rüdiger Achenbach|Deutschlandfunk

„Wie ein Skorpion, ins Haus des Mars getreten ist, wird ein falscher Prophet auftreten und die christliche Welt in Gefahr bringen.“

1527 erscheint in Wittenberg ein Horoskop, das der kaiserliche Hofastrologe Johannes Lichtenberger bereits 1488 erstellt hatte. Darin wird dem Jahr 1484 rückwirkend eine besondere Bedeutung zugeschrieben, weil zu diesem Zeitpunkt durch eine große Konjunktion mit Sonnenfinsternis im Zeichen Löwe für die folgenden Jahrzehnte außergewöhnliche Ereignisse zu erwarten waren.

„Obwohl der falsche Prophet viel Unheil anrichten wird, wird aber auch eine Rettergestalt erscheinen, die die weltliche und kirchliche Ordnung wiederherstellen wird. Dieser Retter wird sich auch durch seine besondere Begabung bei der Auslegung der Heiligen Schrift auszeichnen.“

Astrologie als propagandistisches Mittel

Es war kein Zufall, dass dieses Horoskop nun im reformatorischen Wittenberg ausgerechnet in dem Jahr unter die Leute gebracht wurde, als die kaiserlichen Truppen Rom geplündert hatten, und Papst Clemens VII. sich in der Engelsburg verstecken musste. Denn in reformatorischen Kreisen schien für viele mit diesem Sacco di Roma das Ende der römischen Kirche gekommen zu sein. Für die Anhänger der Reformation in Wittenberg war natürlich der Papst der falsche Prophet und Martin Luther war die Rettergestalt des Christentums.

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