Lucrezia Borgia: Wie die Papsttochter zur „zügellosen Nymphomanin“ wurde


Zeitgenössische Darstellung Lucrezia Borgias als Herzogin von Ferrara, Kupferstich einer Medaille nach einem Wachsmodell von Filippino Lippi. Bild: wikimedia.org/PD

Borgia-Papst Alexander VI. kannte keine Skrupel, die Schönheit seiner Tochter für Machtspiele einzusetzen. So prägten schwüle Fantasien von Orgien und Körpersäften das Bild der klugen Lucrezia.

Von Jan von Flocken|DIE WELT

„Alle anderen Frauen gleichen Lucrezia wie das Zinn dem Silber, das Kupfer dem Gold, die Mohnblume der Rose, die bleiche Weide dem immergrünen Lorbeer“, begeisterte sich der Renaissancedichter Ludovico Ariosto 1503 über die Tochter des Papstes Alexander VI. Dass dieser hohe Kirchenfürst freilich mehrere Kinder in die Welt setzte, besaß den Beigeschmack des Skandalösen – und diesen Ruch wurde Lucrezia Borgia zeitlebens und auch nach ihrem frühen Tod nicht mehr los.

Zumindest im freizügigen Rom des 15. und 16. Jahrhunderts hatte man sich kopfschüttelnd daran gewöhnt, dass Päpste und Kardinäle sich nicht an das zölibatäre Keuschheitsgebot der Priester hielten. Ihren Nachwuchs nannte man beschönigend „nipoti“ (Neffen); sie verkehrten im Vatikan und bereicherten die Sprache durch den neuen Terminus „Nepotismus“ (Günstlingswirtschaft).

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