Wir brauchen wieder deutsche Nationalkultur!


Udo Di Fabio, Bundesverfassungsrichter a. D. Foto: epd-bild/Andreas Schoelzel
Wo sind sie geblieben, die „westlichen Kraftquellen“? Der Jurist und ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio regt in seiner anregenden Streitschrift „Schwankender Westen“ zur Besinnung auf „unsere Maßstäbe“ an.

Von Matthias Arning|Frankfurter Rundschau

Das Jahr 1989 ist die Chiffre eines neuen Anfangs, einer Zeitenwende. Zumindest kam das vielen damals und in der Nachfolge so vor, fiel doch der eine der beiden Blöcke kurzerhand in sich zusammen. 1989 verbindet sich für manche mit dem Ende der Geschichte, an dem sich der Westen als besseres Modell durchgesetzt hat. Gegenwärtig aber ist es auch die Chiffre für den Beginn neuer Verunsicherungen.

Wenn heute jemand in kulturkritischer Absicht sagt, der Westen sei nichts anderes als eine Veranstaltung der Trägheit und des Hedonismus, muss er nicht unbedingt mit Widerspruch rechnen. Zumindest nicht von Udo Di Fabio. Denn er zählt zu denen, die mit dem Zustand der westlichen Gesellschaften in der Gegenwart wenig anzufangen wissen, weil es aus seiner Sicht ihren Mitgliedern untereinander an Respekt mangele.

Das Leitmotiv seiner überaus anregenden, in sechs Teilen, sechzehn Kapiteln, einem Epilog und letztlich auf knappem Platz vorgetragenen Streitschrift zur, wie man noch in den siebziger Jahren gesagt hätte, „Verteidigung der Republik“, fußt auf dem Leitbegriff der Fragmentierung. Sie steht dem Wunsch nach Geborgenheit und Gemeinschaftsbildung entgegen. Der Begriff ist „der negative Wert einer pluralen Gesellschaft, der Gegenbegriff zu einer in offenem Austausch verbundenen Sozialität“.

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