„Ein neuer Gott für die alte Welt“: Aufstieg einer Sekte


Szene mit Jesus und Jüngern in einem Boot auf dem See Genezareth: Dieses Flachrelief ist am Vatikan-Bahnhof in Rom zu sehen. (dpa / picture alliance / Sichel)
Das frühe Christentum hat Historiker und Theologen schon immer fasziniert. Der Althistoriker Manfred Clauss sieht diese Epoche unpathetisch. Die Hauptthese seines Buches: Die frühen Christen waren keinesfalls sanftmütige und friedliche Gläubige.

Von Philipp Gessler|Deutschlandradio Kultur

Das frühe Christentum – also vor allem die ersten fünf Jahrhunderte dieser Weltreligion – haben die Geschichtswissenschaft und Theologie immer stark fasziniert. Denn es ist die Geschichte eines sagenhaften und immer noch schwer erklärbaren Aufstiegs: von einer winzigen jüdischen Sekte am Rande des Römischen Imperiums, in der tiefsten Provinz, zur Staatsreligion eines Weltreichs und zur bestimmenden Religion eines ganzen Kontinents, nämlich Europas, das dann später das christliche Abendland genannt werden wird.

Es ist zugleich eine große Erzählung, die an den in unserer Kultur tief verwurzelten David-und-Goliath-Mythos anknüpft, dass nämlich eine verfolgte kleine Minderheit mit einer grundsätzlich sanften Botschaft gegen eine große, übermächtige und auch brutale Herrschaft siegen kann. Auch deshalb beschrieben gerade frühere Theologen und Kirchenhistoriker diesen Aufstieg des Christentums gern als ein großes Wunder, bei dem irgendwie der Heilige Geist seine Hand im Spiel gehabt haben muss.

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