Freundin von Anne Frank: „Die Mörder gingen sonntags in die Kirche“


Eva Schloss auf dem Marktplatz von Weimar: Als Kind hielt sie sich mit ihrer Mutter in Amsterdam versteckt. Wie ihre Freundin Anne Frank wurde sie verraten und mit 15 Jahren ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie mit viel Glück dem Tod entkam. Foto: Maik Schuck
Eva Schloss, eine Freundin der Anne Frank, hat Auschwitz überlebt – und hält die Erinnerung wach.

Interview Frank Quilitzsch|OSTTHÜRINGER Zeitung

Frau Schloss, Sie sind zum ersten Mal in Weimar. Werden Sie neben den Klassik-Stätten auch die Gedenkstätte KZ Buchenwald besuchen?
Nein. Dafür haben wir leider keine Zeit.
Gibt es nur Zeitgründe?
Ja. Ich bin doch auf Einladung eines japanischen Fernsehteams hier.
In der Geschichte Weimars liegen Hochkultur und Barbarei ganz nah beieinander. Können Sie das verstehen?
Nein.
Sie schreiben von SS-Leuten in Auschwitz, die tagsüber Juden ins Gas geschickt und am Abend ihren Kindern lustige Geschichten vorgelesen haben.
Sie gingen auch sonntags zum Gottesdienst in die Kirche. Aber wie kann man denn verstehen, dass ein erwachsener Mensch einem Kind den Kopf eintritt?
Dafür haben Sie bis heute keine Erklärung?
Nein.