Hamed Abdel-Samad auf Abwegen


abdel_samad_germaniaDer deutsch-ägyptische Politologe Hamed Abdel-Samad hat keine Berührungsängste mit rechten Parteien und Publikationen.

Von Peter Bierl|Jungle World

Religionskritik ist Aufklärung. Nichts damit zu tun hat das Ressentiment, dem es nicht um die Emanzipation des Menschen, sondern um Unterwerfung und Verwertung geht. Schopenhauer verabscheute das Christentum als jüdisch und als schuld an der Tierquälerei, Nietzsche stänkerte gegen Juden- und Christentum, die mit ihrer Sklavenmoral die Herrenmenschen gefesselt hätten, die Völkischen verwarfen »orientalische« Religionen als artfremd. Für »Neue Atheisten« wie Dawkins ist der Mensch ein von egoistischen Genen gesteuerter Roboter und der Bioethiker Peter Singer greift die humanistische Idee von der Heiligkeit des Lebens an, weil sie Euthanasie und Menschenzucht entgegensteht.

Bei aller Kritik an den Kirchen, das Heidentum war und ist kein Spaß, wie es Parolen aus den Reihen der Giordano-Bruno-Stiftung verkünden, sowenig wie die neuheidnischen Germanenkulte der Völkischen. Kritik am Judentum, die das Klischee vom blutrünstigen, patriarchalen, aggressiven Gott aufgreift, ist falsch und antisemitisch. Wer den Islam kritisiert, muss zugleich Rassisten bekämpfen, die heute Muslime statt Kanaken sagen, aber das Gleiche meinen: Ausländer raus.

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