Kirchenasyl: Ermittlungen gegen Pastoren


In Deutschland sind zurzeit über 280 Fälle von Kirchenasyl bekannt. Foto: dpa
Eine freikirchliche Gemeinde in Frankfurt wird der Beihilfe zu einem illegalen Aufenthalt eines Flüchtlings beschuldigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt speziell gegen zwei Pastoren. Ihnen drohen eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe.

Von Marie-Sophie Adeoso|Frankfurter Rundschau

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen zwei Pastoren einer freikirchlichen Gemeinde, die einem Flüchtling Kirchenasyl gewährt hat. Wie die Bethel International Baptist Church nun mit einer Unterschriftenkampagne öffentlich machte, werden die beiden Pastoren Rodrigo Assis da Silva und Thomas Ofori-Djan bereits seit Ende Januar beschuldigt, sich der Anstiftung und Beihilfe zum illegalen Aufenthalt eines Asylsuchenden strafbar gemacht zu haben, der für einige Monate in der Berkersheimer Gemeinde lebte. „Solange Flüchtlinge bei uns wohnten, wollten wir mit dem Fall nicht an die Öffentlichkeit gehen, um sie keinem Risiko auszusetzen“, sagte Pastor Assis da Silva der FR. Nun sehe man aber keine andere Lösung mehr.

Im Falle einer Anklage würde den beiden Pastoren die Verurteilung zu einer Geld- oder Freiheitsstrafe drohen. Der betroffene Flüchtling, dem nach der Dublin-Verordnung im europäischen Asylrecht die Abschiebung in einen anderen EU-Staat drohte, wird des Aufenthalts ohne Aufenthaltstitel beschuldigt. Er hatte das Kirchenasyl zu Beginn der Ermittlungen bereits verlassen, da die sechsmonatige Überstellungsfrist für die Abschiebung verstrichen war und somit die Zuständigkeit für das Asylverfahren offiziell an das deutsche Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) übergegangen war.

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