Kurswechsel in der Forschung: Kuschelnde Mediziner?


Chef gesucht: Ein Magnetresonanz-Tomograph im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. ©DPA
Forschung, die schneller beim Labor und Patienten ankommt. Das klingt vorteilhaft, birgt aber auch Risiken. Die Systemänderung wird energisch vorangetrieben. Die Forschung ist auf Kuschelkurs mit Klinik und Industrie.

Von Joachim Müller-Jung|Frankfurter Allgemeine

Schneller, flexibler, offener und auch beim Kuscheln viel anschmiegsamer: An der Spitze der öffentlichen Medizinforschung hat sich innerhalb kurzer Zeit eine Generation etabliert, die ihre ganz eigenen Vorstellungen von Fortschritt und Innovation durchsetzt. Wo man hinhört, überall das gleiche Motiv: „From bench to bedside“. Die Medizin soll schneller vom Labor an den Patienten gebracht werden – translationale Forschung heißt das im Wissenschaftsjargon. Der Imperativ der Beschleunigung stellt die Bedeutung der Qualitätssicherung heute mehr oder weniger in den Schatten. Nicht, dass Qualität nicht mehr großgeschrieben wird, aber der Schweinsgalopp in der biomedizinischen Forschung und das zunehmend vorherrschende Gefühl bei den beteiligten Forschern, das „System“ bremse den Fortschritt zu Lasten der Patienten, treibt die Systemveränderer energisch voran.

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