Carsten Frerk: „Der Staat macht sich zum devoten Deppen“


Bild: tilly
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Der Politologe Carsten Frerk fordert ein Ende der Privilegien für die christlichen Kirchen und plädiert dafür, sie wie Wirtschaftsverbände zu behandeln.

Von Christian Schlesiger|Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche Online: Herr Frerk, sind Sie Christ?
Herr Carsten Frerk: Nein. Ich bin nicht getauft. Religion interessiert mich nicht.

Warum dann Ihr Zorn gegenüber der Kirche?
Ich bin nicht zornig. Ich interessiere mich für den Verein gar nicht. Aber ich halte die Nähe zwischen Staat und Kirche für gesellschaftspolitisch falsch und schädlich. Die Freiräume, die die katholische und evangelische Kirche gegenüber Staat und Parteien genießen, sind absolut nicht in Ordnung.

In Ihrem neuen Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ prangern Sie den christlichen Lobbyismus an. Was ist daran so schlimm?
Christlicher Lobbyismus als solcher ist überhaupt nicht schlimm. Kirchen haben 34 Lobbybüros in Deutschland, die Einfluss ausüben auf Politik und Meinungsmacher. Das ist völlig in Ordnung und Teil unserer gelebten Demokratie. Aber die frühe Einbindung der Kirchen in die Gesetzgebungsprozesse geht eindeutig zu weit. Diese seit Jahrzehnten andauernde Praxis ist das Gegenteil von Demokratie.

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