Medical Humanities: Was Geschichte und Ethik mit Medizin zu tun haben


Den Euthanasie-Opfern gedenken. Psychiater waren in die Aktion T4 verstrickt. – Foto: picture alliance / dpa
Bei der neuen Charité-Professur für „Medical Humanities“ geht es nicht nur um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, sondern auch um den kulturell geprägten Umgang mit Krankheit und Tod.

Von Adelheid Müller-Lissner|DER TAGESSPIEGEL

„Der Anfang war eine feine Verschiebung in der Grundeinstellung der Ärzte.“ So beschrieb es der in Österreich aufgewachsene, wegen seiner jüdischen Herkunft zur Emigration in die USA gezwungene Psychiater Leo Alexander als Sachverständiger bei den Nürnberger Ärzteprozessen. Die Entwicklung führte schließlich dazu, dass Mediziner die Unterscheidung zwischen wertem und „unwertem“ menschlichem Leben akzeptierten. Dass sie tatenlos zusahen, wenn ihre jüdischen Kollegen sich bedroht fühlten, ihre Stellen verloren und zur Flucht gezwungen waren. Dass sie vielleicht sogar die Vorteile begrüßten, die sich ihnen für die eigene wissenschaftliche Karriere dadurch boten. Zum Beispiel in der Charité, die zwischen 1933 und 1936 fast ein Drittel ihres Lehrpersonals „verlor“.

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