Polizei hebt europaweites Dschihadistennetzwerk aus


Eurojust-Sitz am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag. Foto: Vincent van Zeijst. Lizenz: CC BY-SA 3.0.
Durchsuchungen in Italien, Norwegen, Finnland, Deutschland, Großbritannien und der Schweiz

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Bei der konzertierten Operation JWEB haben Polizisten bei insgesamt 26 gleichzeitig durchgeführten Razzien in sechs europäischen Ländern 13 mutmaßliche Mitglieder eines Dschihadistennetzwerks „Rawti Shax“ festgenommen. Von den 17 Salafisten wurden sechs in Südtirol, vier in Großbritannien und drei in Norwegen erwischt. Vier weitere Verdächtige entkamen ihrer Festnahme der europäischen Justizbehörde Eurojust zufolge offenbar durch Ausreisen nach Syrien oder in den Irak. Außerdem wurden zahlreiche Computer und Datenträger beschlagnahmt, die die Behörden nun auswerten.

Italienischen Medien zufolge plante das Terrornetzwerk unter anderem Selbstmordanschläge. Anführer soll der in Norwegen lebende Islamist Nadschm ad-Din Faradsch Ahmad alias „Mullah Krekar“ gewesen sein. Angeblich dirigierte er das Netzwerk auch vom Gefängnis aus. Der gebürtige Iraker, der 1991 als Asylbewerber nach Skandinavien kam, ist sunnitischer Kurde. Auch bei den 16 der 17 jetzt Festgenommenen oder weiterhin Gesuchten soll es sich um sunnitische Kurden handeln. Nur einer der Verdächtigen ist Kosovo-Albaner.

Der erklärte Anhänger Osama bin Ladens wurde bereits mehrmals inhaftiert – unter anderem weil er Todesdrohungen gegen die Politikerin Erna Solberg ausgesprochen und in einem Fernsehinterview den Anschlag auf die Redaktion des Pariser Satiremagazins Charlie Hebdo im Januar öffentlich gepriesen hatte. Versuche der norwegischen Behörden, den Salafisten nach Sturz Saddam Husseins in seine Heimat abzuschieben, scheiterten an der Todesstrafe, die ihm dort drohen könnte, auch wenn die kurdische Regionalregierung seit 2006 keine Todesurteile mehr vollstreckt.

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