Keine Absage an die Judenmission


Streitbare Figur in der Geschichte der evangelischen Kirche: Eine Martin-Luther-Playmobil-Figur steht bei der Frühjahrs-Synode auf dem Rednerpult (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
In Bremen hat in der vergangenen Woche die Synode der evangelischen Kirche in Deutschland getagt. Dort distanzierte man sich klar von den judenfeindlichen Äußerungen von Martin Luther, zu einer Absage an die Mission von Juden konnte man sich aber nicht durchringen.

Von Anne Françoise Weber|Deutschlandradio Kultur

Schon bei seinem Grußwort am ersten Tag der EKD-Synode in Bremen gab der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, dem evangelischen Kirchenparlament eine Hausaufgabe. Er lobte ausdrücklich den Entwurf einer Synodenerklärung zu den judenfeindlichen Schriften Martin Luthers, fügte aber hinzu:

„Was wir allerdings in dem Textentwurf vermissen, ist eine ebenso deutliche Distanzierung von der Judenmission. Ihr Urteil, dass Luther die biblischen Aussagen zu Gottes Bundestreue gegenüber seinem Volk und zur bleibenden Erwählung Israels verkannt habe, wird nur dann glaubwürdig, wenn Sie jeder Form von Judenmission eine klare Absage erteilen.“

Eine solche klare Absage haben einige der zwanzig Gliedkirchen der EKD durchaus schon formuliert, und auch auf EKD-Ebene gab es dazu bereits Erklärungen. So hatten die Synoden der Evangelischen Kirchen im Rheinland, in Westfalen und Berlin-Brandenburg zwischen 1980 und 1999 Erklärungen verfasst, in denen Judenmission klar abgelehnt wird. Dennoch sei es nicht möglich gewesen, eine solche Distanzierung auch in den von der Synode verabschiedeten Text zu den judenfeindlichen Schriften Martin Luthers aufzunehmen, erklärt die Präses der Synode Irmgard Schwaetzer – zu unterschiedlich seien die Positionen in der EKD. Sie will in den nächsten Monaten öffentliche Anhörungen, Studientage und Diskussionen zum Thema veranstalten.

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