Kiesewetter-Mord: Spiegel-Kabinett der Geheimdienste


Gedenktafel auf der Theresienwiese in Heilbronn. Bild: Peter Schmelzle. Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Spielten Sicherheitsorgane beim Kiesewetter-Mord eine Rolle? Der NSU-Untersuchungsausschuss von Baden-Württemberg befragte dazu Zeugen

Von Thomas Moser|TELEPOLIS

Was genau geschah am 25. April 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn? Warum wurde auf die zwei Polizeibeamten Michèle Kiesewetter und Martin Arnold geschossen? Und von wem? Hat in der Stadt damals eine größere Aktion stattgefunden? Vielleicht mehrere? Der zehnte NSU-Mord ist der rätselhafteste der gesamten Serie und deshalb der Schlüssel zum gesamten Komplex. Unter anderem gibt es Hinweise auf eine Verstrickung von Nachrichtendiensten. Ihr wollte der Kiesewetter-Ausschuss des baden-württembergischen Landtages jetzt nachgehen. Heraus kamen einige Erkenntnisse, viele neue Fragen und weitere Merkwürdigkeiten.

Die Täter in Heilbronn waren Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ohne Beteiligung ortskundiger Dritter – so die Bundesanwaltschaft gebetsmühlenhaft seit der Aufdeckung des NSU vor vier Jahren. Die Sonderkommission (SoKo) Parkplatz des Landeskriminalamtes von Baden-Württemberg ging vor 2011 allerdings davon aus, dass mindestens vier bis sechs Personen an der Tat beteiligt gewesen sein mussten. Nimmt man alle ernstzunehmenden Zeugenaussagen, kann man aber auch auf mindestens neun Beteiligte kommen: Südlich der Theresienwiese drei blutverschmierte Männer, zusätzlich eine Frau und ein Mann sowie ein Autofahrer, der Blutverschmierte aufnahm. Nördlich des Tatortes drei weitere fliehende Männer. Einer der Zeugen ist eine V-Person der Heilbronner Polizei. Ein erster Hinweis auf mögliche Berührungspunkte des Falles mit der staatlichen Ebene. Dieser Zeuge ist bisher nicht vor den Ausschuss geladen worden.

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