Tugçe: Umstrittenes Idol


Tugçes Grab in Bad Soden-Salmünster. Foto: REUTERS
Vor einem Jahr starb die Studentin Tugce. Heute ist sie ein umstrittenes Idol. Das Denkmal, das Tugçe Albayrak seinerzeit von einer plakativ mitfühlenden Öffentlichkeit errichtet wurde, hat Risse bekommen. Das Bundesverdienstkreuz erhält sie nicht.

Von Danijel Majic|Frankfurter Rundschau

Der Ort des Gedenkens ist alles andere als schön. Sollten am Sonntag, 15. November, tatsächlich mehrere hundert Menschen, wie in den sozialen Netzwerk angekündigt, zusammenkommen, um der Lehramtsstudentin Tugçe Albayrak zu gedenken, wird der Ort ihrer Zusammenkunft an Unwirtlichkeit kaum zu übertreffen sein: die zubetonierte Auffahrt eines Schnellrestaurants an der vielbefahrenen Strahlenberger Straße. Auf dem Parkplatz des Restaurants spielte sich vor fast genau einem Jahr, am Morgen des 15. November 2014, ein Drama ab, das die deutsche Öffentlichkeit bewegte und für immer mit zwei Namen verbunden bleiben wird: Sanel M. und Tugçe Albayrak.

Die Geschichte jenes Morgens ist inzwischen tausendfach erzählt und in einem anderthalb Monate währenden Prozess in allen Details ausgeleuchtet worden. Sie beginnt mit dem Streit zwischen zwei Gruppen, den Freundeskreisen von Sanel M. und Tugçe Albayrak, die an diesem Morgen zufällig am selben Ort aufschlagen. Der Streit spitzt sich zu, als Freunde von Sanel M. auf der Damentoilette zwei minderjährige Mädchen belästigen und Tugçe Albayrak sich einmischt.

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