Medienethikerin: Opfergedenken in sozialen Netzwerken sind übergriffig


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Die Medienethikerin Petra Grimm appelliert an einen reflektierten Umgang mit Opfergedenken in sozialen Netzwerken: „Ausschlaggebend ist eine opferzentrierte Perspektive“, sagte Grimm dem epd. Es gebe sicherlich ein Bedürfnis, der Opfer in sozialen Netzwerken zu gedenken, aber manche Aufmachungen könne man als übergriffig empfinden, kritisierte Grimm, die zu Privatheit in Medien forscht. Es sei wichtig, sich zu fragen, was man selber wollte, wenn man Opfer wäre. Im Zweifel müssten die Angehörigen mit in die Entscheidung einbezogen werden.

Von Elisa Makowski|evangelisch.de

Anlass der Kritik ist ein Twitter-Account namens @ParisVictims, der der Opfer von Paris gedenkt. Jeder Tweet ist einer Person und ihrem Leben gewidmet. Zusätzlich zu einem Bild sind Name, Alter, Nationalität und Beruf genannt, zudem Kurz-Infos zu Leben und Persönlichkeit: „Nathalie Jardin, 31, France. Lighting designer. Little sister. Loved fruit salad. A ’strong character'“, lautet zum Beispiel ein Tweet vom 18. November 2015 um 21.06 Uhr (Nathalie Jardin, 31, Französin. Lichtgestalterin. Kleine Schwester. Liebte Obstsalat. Ein „starker Charakter“). Unklar ist, ob die Angehörigen ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben und woher die Informationen stammen. Teilweise sind Zeitungsberichte und verschiedene Internetseiten als Quellen angegeben.

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