Opium – Afghanistans Exportschlager


Bild: davric/gemeinfrei
Da am Anbau jeder profitiert, sind nahezu alle wichtigen politischen Akteure mehr oder weniger daran beteiligt

Von Emran Feroz|TELEPOLIS

In den dunklen Gassen und den abgelegenen Parks Kabuls findet man sie immer: Junkies. Junge Männer, die auf den Boden knien, abgetragene Kleidung und verschmutzte Sandalen tragen, mit einem Tuch ihr Gesicht bedecken und konsumieren. Noch bis vor einer Zeit traf man derartige Ansammlungen unter einer bekannten Brücke im Zentrum der Stadt. Da dies selbst dem Kabuler Stadtbild zu viel wurde, zogen es die Behörden vor, sie von dort zu vertreiben.

Doch einfach in Luft auflösen können sich die Drogenabhängigen nicht. Stattdessen hat sich ihre Anzahl in den letzten Jahren dramatisch vervielfacht. Schätzungen zufolge konsumieren über 4,5 Millionen Afghanen – sowohl in den städtischen als auch in den ländlichen Gebieten – Drogen. Hunderttausende von ihnen sind süchtig.

Parallel zu der Anzahl der Abhängigen stieg seit 2002 auch der Opiumanbau im Land permanent an. Kurz vor dem Einmarsch der NATO, sprich, während des Höhepunkts der Taliban-Herrschaft, stammten rund fünf bis zehn Prozent des weltweiten Schlafmohns aus Afghanistan – mittlerweile sind es mehr als neunzig Prozent. Jährlich werden neue Rekordernten erwartet, wie auch die UN-Berichte der vergangenen Jahre deutlich machen. Verantwortlich für die Misere werden oftmals nur die Afghanen gemacht. Dabei wird außen vor gelassen, dass westliche Akteure beim Anstieg der afghanischen Drogenproduktion eine maßgebliche Rolle spielen.

Afghanistan war einst bekannt als Land der Granatäpfel, Melonen und Trauben. Auch andere Waren wie Lapislazuli, der berühmte, blau glänzende Stein, gehörten zu den wichtigsten Ausfuhrgütern. Diese einstigen Exportschlager sind allerdings Relikte einer vergangenen Zeit. Gegenwärtig weiß man vor allem, dass der „schwarze Afghane“ aus Afghanistan stammt und dass das Land der größte Produzent und Exporteur von Opium ist.

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