Siebten-Tags-Adventist vs. Presbyterianer


us_flagge_bibel_kreuz

In der aktuellen Umfragensammlung von Real Clear Politics zu den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen liegt Donald Trump wieder vorne. Dass der schwarze Neurochirurg Ben Carson seine kurzzeitige Führung aufgeben musste, könnte nicht nur daran gelegen haben, dass sich Mitschüler ganz anders an seine „wilde“ Kindheit vor seinem christlichen Erweckungserlebnis erinnern, als er selbst das tut, sondern auch daran, dass Trump Carsons Glauben zum Wahlkampfthema machte: Auf einer Veranstaltung in Jacksonville im US-Bundesstaat Florida meinte er, er sei Presbyterianer und das sei ziemlich middle of the road – aber bei Carsons Siebten-Tags-Adventisten wisse er nicht so recht, was er davon halten soll.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Damit spielt Trump darauf an, dass die Siebten-Tags-Adventisten (ähnlich wie die Mormonen) eine relativ junge Denomination sind, deren Glauben in mehreren Punkten von dem der meisten amerikanischen Christen abweicht: Sie legen nicht nur die Bibel wörtlich aus (was sie mit vielen Evangelikalen gemein haben), sondern halten sich auch an die Ratschläge ihrer 1915 verstorbenen Religionsstifterin Ellen Gould Harmon White, weshalb sie anderen Christen teilweise als Anhänger einer Sekte gelten. Allerdings machen Siebten-Tags-Adventisten Unterschiede zwischen Whites Anweisungen und denen der Heiligen Schrift: Erstere sieht man als „kleineres Licht“, das auf ein größeres zeigt.

Whites Forderungen betreffen unter anderem die Ernährung: Sie hielt alttestamentarische Speisevorschriften wie das Verbot von Schweinefleisch und von Schalentieren ebenso für gültig wie die Pflicht zur Abstinenz von Tabak und Alkohol. Statt Wein reicht man bei den Siebten-Tags-Adventisten deshalb Traubensaft beim Abendmahl.

Der bekannteste Siebten-Tags-Adventist ist wahrscheinlich John Harvey Kellogg, der (wie viele seiner Glaubensgenossen) einen kompletten Verzicht auf Fleisch und Gewürze empfahl und dabei die Cornflakes erfand. Seine Vorstellung, mit seinen Verzichtsvorschriften praktisch alle Krankheiten heilen zu können, erfüllte sich jedoch nicht. Blieb der Heilungserfolg aus, dann schob es der Sanatoriumsbetreiber meist auf heimliche Masturbation seiner Patienten. Gegen männliche Masturbation empfahl er die Vorhautbeschneidung, gegen weibliche die Behandlung der Klitoris mit Karbolsäure. Letzteres setzte sich aber auch bei den Siebten-Tags-Adventisten nicht durch.

weiterlesen