Vatileaks: Alles soll im Dunkeln bleiben


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In dieser Woche beginnt der Prozess gegen die zwei Journalisten Fittipaldi und Nuzzi, die über Verschwendung im Vatikan berichteten. Ihnen wird die Weitergabe von vertraulichen Informationen vorgeworfen.

Von Regina Kerner|Frankfurter Rundschau

Naiv sei er gewesen, sagt der italienische Journalist Emiliano Fittipaldi. Er habe erwartet, dass der Vatikan gegen diejenigen vorgeht, die schuld sind an den Missständen im Kirchenstaat. Zum Beispiel an der Verschwendung und dem luxuriösen Lebensstil einiger Kardinäle, der zum Teil aus Spendengeldern von Gläubigen finanziert wird. Nie habe er geglaubt, dass er selbst angeklagt werde, weil er das öffentlich gemacht hat. Zumal ja Papst Franziskus, der Verfechter einer Kirche für die Armen, nicht müde wird, die Maßlosigkeit vieler Geistlicher anzuprangern. Fittipaldi hat sich gründlich getäuscht. Der Autor des kürzlich erschienenen Buchs „Avarizia“ (Geiz) wird ebenso vor ein Vatikan-Gericht gestellt wie Gianluigi Nuzzi. Der investigative Journalist stützte sich für sein zeitgleich veröffentlichtes Enthüllungsbuch „Alles muss ans Licht“ auf dieselben vertraulichen Dokumente wie sein Kollege.

Nach erstaunlich kurzer Vorbereitungszeit beginnt am morgigen Dienstag hinter den Mauern des Vatikans somit erstmals ein Prozess gegen Journalisten. Fittipaldi, Nuzzi und ihren drei mutmaßlichen Informanten wird die Weitergabe von vertraulichen Dokumenten vorgeworfen, „die grundlegende Interessen des Kirchenstaats betreffen“. Darauf steht laut vatikanischem Strafgesetz Haft zwischen vier und acht Jahren. Das Delikt war 2013 unter Franziskus eingeführt worden. Es war eine Reaktion auf den ersten Vatileaks-Skandal, bei dem geheime Unterlagen aus dem Umfeld seines Vorgängers Benedikt XVI. an die Öffentlichkeit gelangten.

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