„Deutschland ist ein religiös fundamentalistischer Staat“


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Martin Budich von „Religionsfrei im Revier“ über das Verhältnis von Kirche, Staat und Atheismus

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trailer: Sie sind Mitglied der Initiative „Religionsfrei im Revier“ mit Sitz in Bochum. Wofür steht diese Initiative?
Martin Budich: In unserer Gesellschaft sind kirchliche Gruppen gut verankert. Die Kirchen haben großen gesellschaftlichen Einfluss, betreiben Lobbyarbeit und werden vom Staat subventioniert. Dagegen werden konfessionsfreie Menschen in vielen Bereichen benachteiligt. Das ist ein Gebiet, in dem man politisch aktiv werden soll. Unsere Mitglieder haben ein weites Spektrum an Motivationen, ich selbst setze mich mit dem Thema Macht der Kirchen im Staat auseinander. Auf die Kirchen kann ich als Bürger nicht viel Einfluss haben, aber auf den Staat.

Wie groß ist der Einfluss der Kirchen auf den Staat heute noch?

Wenn man es von außen betrachtet, dann könnte man sagen, Deutschland ist ein religiös fundamentalistischer Staat. Es ist ziemlich einmalig, dass der Staat Mitgliedsbeiträge für Religionsgemeinschaften einsammelt. In NRW sind 33 Prozent der staatlichen Grundschulen Konfessionsschulen. Kirchen haben eine Fülle von Privilegien, zum Beispiel sind Kirchen Körperschaften öffentlichen Rechts, die Militärseelsorge wird vom Staat bezahlt. Der Staat schreibt den Menschen vor, dass sie sich an religiöse Normen halten müssen, wie im Feiertagsgesetz. Die kirchlichen Sozialenrichtungen werden vom Staat finanziert und die Kirche darf Berufsverbote für alle Nichtchristen aussprechen. Man kann nicht einfach aus der Kirche austreten, sondern muss zum Amtsgericht und dafür auch noch eine Gebühr bezahlen. Sowas wäre in anderen Ländern undenkbar. Die Aufklärung ist in Deutschland an einem bestimmten Punkt stehen geblieben.

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