Gott und Spott


Hans Neuenfels‘ „Idomeneo“-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin wurde 2010 abgesetzt aus Angst vor islamistischem Terror. (Foto: Drama)
Eine Oper absetzen? Eine Karikatur verbieten? Zu unserer Demokratie gehören Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit – inklusive Religionskritik. Das muss so bleiben.

Von Horst Dreier|Süddeutsche.de

Zu den schrecklichsten, härtesten und längsten Kriegen, die Europa und besonders Deutschland verwüstet haben, zählen die im Gefolge der Reformation ausbrechenden konfessionellen Bürgerkriege des 16. und 17. Jahrhunderts. Wie wurden diese Konflikte beigelegt? Die Friedensschlüsse in Augsburg, Münster und Osnabrück beruhten nicht etwa auf der Einsicht in die Unlösbarkeit der religiösen Wahrheitsfrage mit entsprechender Freigabe des Bekenntnisses für alle, mit der Gewährung umfassender Religionsfreiheit und – die andere Seite der Medaille – mit dem Rückzug des Staates auf eine religiös neutrale Position.

Ein König, ein Gesetz, ein Glaube

Es war vielmehr, wie der Augsburger Religionsfrieden von 1555 deutlich zeigt, gerade und allein der Gedanke strikt geschlossener konfessioneller Homogenität der Territorien, der den Frieden in den verschiedenen Herrschaftsgebieten sichern konnte. „Cuius regio, eius religio“ bedeutete, dass der Territorialherr den konfessionellen Status seines Gebietes und seiner Untertanen bestimmte. Hinter diesem sogenannten Religionsbann stand die von den Herrschern wie von den Staatstheoretikern geteilte Überzeugung, dass ein Land bei Zulassung verschiedener Glaubensrichtungen bald aufgrund innerer Zwistigkeiten dem Verfall preisgegeben sein würde. Stabilität versprach einzig das strikte Festhalten am Grundsatz „un roi, une loi, une foi“ – ein König, ein Gesetz, ein Glaube.

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