„Der IS freut sich über die Reaktion des Westens“


Der Politologe Michael Lüders macht den Westen für das Erstarken des IS mitverantwortlich. Foto: AFP
Der Islamwissenschaftler und Politologe Michael Lüders spricht im Interview mit der FR über die Rolle des Westens im Hinblick auf Chaos und Gewalt.

Von Steven Geyer|Frankfurter Rundschau

Der Islamwissenschaftler und Politologe Michael Lüders verfolgt seit Jahrzehnten Politik und Gesellschaft im Orient. In seinem aktuellen Bestseller „Wer den Wind sät“ beschreibt er, wie die Eingriffe des Westens immer wieder Gewalt und Chaos hervorbrachten – wozu er den Aufstieg des Islamischen Staates (IS) zählt.

Herr Lüders, nach allem, was Sie über die Denke des IS wissen: Wird er sich mit Anschlägen in Deutschland rächen, wenn die Bundeswehr in Syrien und Irak mitmischt?
Das ist zu befürchten. Zwar ist ein großer Vorteil, dass Deutschland keine Banlieues hat wie Frankreich: Vorstädte mit Hunderttausenden, die völlig ausgeschlossen sind von sozialer Teilhabe und jeder gesellschaftlichen Perspektive. Darum gibt es hier nicht diese Rückzugsräume für IS-Terroristen, in die selbst die Polizei kaum Einblick hat. Darum sind Anschläge wie in Paris da leichter vorzubereiten, und der IS sucht und findet da leicht Rekruten. Aber in dem Maße, wie sich Deutschland mehr und mehr militärisch engagiert, wird es auch vermehrt ein Anschlagsziel für den IS.

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