Die „Hysterie“ um die Christen im Nahen Osten


Ende einer Geschichte. Das Christentum verschwindet nach gut 1900 Jahren an den Orten seines Ursprungs. Den Westen kümmert das kaum.

Von Hans Winkler|Die Presse.com

Dieser Tage führte ich ein Gespräch mit einem Taxifahrer in Salzburg: Der Mann, Moslem, Palästinenser aus Jerusalem, freute sich augenscheinlich, dass der Fahrgast einigermaßen über seine Heimat und das, was man üblicherweise als Nahost-Problem bezeichnet, Bescheid wusste.

Er selbst hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was er sich wünscht: Eine Zwei-Staaten-Lösung komme nicht infrage, hat er gemeint, sondern nur eine israelisch-palästinensische Föderation. Dafür hat er einen einleuchtenden Grund: Er möchte Staatsbürger im ganzen Palästina sein, damit er sich auch in Haifa niederlassen darf, woher seine Eltern stammen.

Unvermittelt kam der Taxler auf die Christen im Nahen Osten zu sprechen. Da seine Frau Christin ist, berührt es ihn, dass die Christen die größten Opfer der Konflikte und Umbrüche im Nahen Osten sind. Nicht einmal in Bethlehem, früher eine fast ausschließlich christliche Stadt, gebe es noch sehr viele, hat er bedauernd gesagt: „Dabei waren die Christen doch schon lang vor uns da.“

Die Christen des Nahen Ostens verbindet eine ungebrochene Tradition mit der Frühzeit des Christentums. Etliche Gemeinschaften, wie die Maroniten im Libanon, die Melkiten und Chaldäer sind mit Rom verbunden und gehören zur katholischen Kirche. Daneben gibt es syrisch- und armenisch-orthodoxe Kirchen und evangelische Gemeinden. Von besonderer Tradition ist die apostolische assyrische Kirche des Ostens, die im Mittelalter die größte der orientalischen Kirchen war, deren Einfluss von Mesopotamien bis Zentralasien reichte.

Das Schicksal der Christen im Nahen Osten ist im Westen den meisten gleichgültig. Es sei „hysterisch“, schreibt die „New York Times“, diese vielleicht als besonders gefährdet und daher besonders schützenswert zu betrachten.

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