Katholische Kirche und Missbrauch: Bostoner Enthüllungen


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Journalisten des Boston Globe haben vor 13 Jahren einen Missbrauchsskandal in ihrer Stadt aufgedeckt, der in der Folge die katholische Kirche auf der ganzen Welt erschüttern sollte. Nun wird das Geschehene in einem Dokumentar-Spielfilm nachgezeichnet.

Von Alexander Görlach|The European

In Zeiten, in denen das Schimpfwort „Lügenpresse“ auf deutschen Plätzen skandiert wird und sich die Unwucht dieses Rufs an den Fassaden der Verlagshäuser und Sendeanstalten bricht, zeigt der Film „Spotlight“ genau das, wozu guter Journalismus gebraucht wird und welche vitale Rolle er in demokratischen Gesellschaften spielt: Der Boston Globe hatte im Jahr 2002 den Missbrauch von Kindern durch Priester und Ordensangehörige in katholischen Bildungseinrichtungen aufgedeckt. Die Zeitung löste damit einen Domino-Effekt aus: Durch die Enthüllungen in Boston ermutigt, brachen viele Missbrauchsopfer in anderen Städten der USA und in etlichen Ländern der Welt ihr Schweigen. Auch die Kirche in Deutschland wurde von dem Skandal erschüttert. Der Katholizismus befindet sich seitdem in einer globalen Glaubwürdigkeitskrise. Das Misstrauen bekommen vom Dorfpfarrer bis zum Papst alle Glieder der Kirchenhierarchie zu spüren.

Der Film zeichnet den Weg der investigativen Journalistentruppe, die bei der Zeitung den Namen „Spotlight“ – Suchscheinwerfer – trägt, nach: das anfängliche Hadern, ob es hier überhaupt eine Story gibt. Dann die ersten Recherche-Ergebnisse. Der weite Weg vom ersten Puzzleteil bis zum Gesamtbild. Das ist mühsam anzuschauen, genauso, wie es im echten Leben eines Journalisten mühsam ist, eine Sache akribisch zu recherchieren, bis sie sicher ist.

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