Was Frauen- und Männer-Hirne unterscheidet


Menschliche Gehirne mögen sich ähneln. Gleichen tun sich weibliche und männliche Varianten aber nicht. (Foto: dpa)
  • Israelische Forscher haben weibliche und männliche Gehirne auf anatomische Unterschiede untersucht.
  • Eine zweifelsfreie Geschlechtszuordnung ist der Studie zufolge nicht möglich. Nur wenige Probanden-Hirne seien ausschließlich charakteristisch männlich oder weiblich gewesen.
  • Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern führten in einigen Funktionsbereichen zu unterschiedlicher Leistungsfähigkeit.

Von Christian Weber|Süddeutsche.de

Eines vorab: Männer und Frauen lassen sich im Regelfall relativ einfach unterscheiden, auch wenn Hardcore-Gender-Theoretik* (der Stern verschleiert das Geschlecht) oder erkenntnistheoretische SolipsistInnen an der Bedeutung oder gar der Existenz von Penis und Vagina zweifeln. Weniger klar sind die Verhältnisse, wenn man mit einem Gehirnscanner in die Köpfe der Geschlechter schaut. Das hat nun erneut eine Studie gezeigt, von der ein Team um die Psychologin Daphna Joel von der Tel Aviv University im Wissenschaftsmagazin PNAS berichtet.

Nur wenige Gehirne waren ausschließlich weiblich oder männlich

Die Forscher untersuchten mit einem Magnetresonanz-Tomografen (MRI) insgesamt 1400 weibliche und männliche Gehirne auf anatomische Unterschiede. Dabei analysierten sie jeweils mehrere Regionen, in denen frühere Untersuchungen Geschlechtsunterschiede gefunden hatten. Für jeden dieses Hirnareale wurde nun ermittelt, welche Form und Größe besonders typisch für Männer oder Frauen ist. Es zeigte sich, dass immerhin – je nach untersuchter Gruppe – 23 bis 53 Prozent der Studienteilnehmer irgendwo im Gehirn eine eher weibliche beziehungsweise männliche Struktur versteckt haben.

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2 Comments

  1. Der Artikel des Journalisten Christian Weber, Redaktionsleiter bei der SZ, ist ein schönes Beispiel dafür, wie man mit Befunden umgeht, die irgendwie nicht ins Vorurteil passen, und diese – nun ja – journalistisch handhabt.

    Die Forscher schreiben explizit:¨Unsere Studie zeigt, dass Gehirne nicht in zwei Klassen fallen, die typisch für Männer oder Frauen sind. Es gibt auch nicht ein Kontinuum zwischen dem männlichen und weiblichen Gehirn“. Das klingt doch recht klar, oder? Und es ist ja auch ein interessanter, sehr wohl neuer Befund. Macht aber nichts, in der Überschrift wird daraus: „Was Frauen- und Männer-Hirne unterscheidet“. Warum eigentlich nicht „nicht unterscheidet“, das wäre doch treffender? Sodann zieht Weber gleich einen Biopsychologen herbei, der uns versichert, dass es – im Mittel – sehr wohl Unterschiede gibt. Alles bekannt. Nur halt im Mittel, das heißt gar nichts für den Einzelfall und geht an der Arbeit vorbei, die multivariate Muster identifiziert. Das Sexualverhalten der Männer darf als Appetizer nicht fehlen, nicht zuletzt um die Aussagekraft von Gehirnscans mit einem überzogenen, abwegigen Beispiel in Zweifel zu ziehen. Abwegig, denn man kann in Gehirnscans inzwischen bereits viel erkennen, überraschend viel sogar an Bedeutungs- oder Handlungszuweisungen. Man sollte die Scans nicht überschätzen, sie aber auch nicht mit einem dämlichen Beispiel vom Tisch fegen.

    Schön sind auch die Sätze Webers „Doch leider reicht das der vorliegenden Studie zufolge nur selten für eine zweifelsfreie Geschlechtszuordnung“ und „Es klingt ein wenig wie: Sind wir nicht alle ein bisschen intersexuell?“. Warum „leider“ und „zweifelsfrei“, wer braucht das? „Leider“ kann man den Unterschied zwischen Mann und Frau am Hämoglobingehalt auch nicht „zweifelsfrei“ erkennen. Und im zweiten Satz spürt man das innere Sichschütteln. Ist halt Journalismus in einem opportunistischen, faktischen Boulevardblatt (siehe den Internetauftritt der SZ). Man vergleiche damit den sachbezogenen Artikel auf Scinexx, um den Unterschied zwischen professionellem, nüchternem Wissenschaftsjournalismus und – nun ja – ordinärem, auf Vorurteile des Publikums bezogenem Journalismus zu begreifen.

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