Evolutionsbiologie: Vernachlässigung von Kindern ist vererbbar


Ohrwurm verteidigt sein Gelege. Foto: Joël Meunier
Wenn sich Eltern nicht ausreichend um ihre Kinder kümmern, hat das Folgen bis ins Erbgut: Der Nachwuchs wird nachhaltig stressanfällig. Nun zeigt eine Studie, dass es diesen Effekt sogar bei einfachen Organismen wie Ohrwürmern gibt.

Von Peter Spork|Berliner Zeitung

Michael Meaney ist amüsiert: „Bei uns in Kanada gibt es wegen unserer Experimente sogar Clubs von Müttern, die ihre Babys lecken – richtig ablecken, im wortwörtlichen Sinn.“ Kaum zu fassen, wie falsch manche Wissenschaft verstünden, ergänzt der Hirnforscher und Verhaltensbiologe von der McGill University in Montreal. „Menschen sind doch keine Ratten!“

Mangelnde Fürsorge verursacht Dauerstress

Vor mehr als zehn Jahren gelangen Meaney und seinen Kollegen jene Tierexperimente, die sie heute zu Stars ihrer Zunft machen – und manche Eltern offenbar zu den absonderlichsten Nachahmungsversuchen inspirieren. Meaney untersuchte schon seit geraumer Zeit Ratten, die ihren Nachwuchs nicht ausreichend umsorgen, ihn in den ersten acht Tagen nach der Geburt nicht permanent kraulen, putzen, beschnuppern – und eben auch nicht ablecken.

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