Daesh-Terror: Das zerstörte Vertrauen


Wachsam. Ein Soldat patrouilliert auf der Grand Place in Brüssel. – Foto: dpa
Der Terrorismus untergräbt die Zivilgesellschaft. Was früher als Kollateralschaden des Kriegs galt, ist jetzt Ziel der Anschläge: die totale Verunsicherung. Sagt der Soziologe Armin Nassehi.

Von Armin Nassehi|DER TAGESSPIEGEL

Die Pariser Anschläge am Freitag, den 13. November, werden in vielen Kommentaren als „neue Art des Krieges“ definiert, als jener asymmetrische Krieg, dessen widerstreitende Subjekte nicht mehr Staaten im engeren Sinne sind. Die Asymmetrie dieses Krieges besteht freilich nicht nur darin, dass sich hier ein Staat durch nicht staatliche Akteure herausgefordert sieht. Sie besteht darin, dass der Adressat dieses Krieges nicht der Machtbereich eines Staates ist, sondern eine Lebensform.

Wandten sich frühere Anschläge gegen Militärs oder gegen die Zwillingsturmsymbolik des globalen Kapitalismus, gelten sie nun der liberalen Presse, dem Recht auf Selbstironie, auf plurale Meinungen, auf das Aushalten von Widerspruch, selbst auf Geschmacklosigkeiten. „Charlie Hebdo“ war ein gut ausgewähltes Ziel – ein Fußballspiel, das im November wohl das eigentliche Ziel war, oder ein Rockkonzert sind es ebenso. Es geht nicht um Hegemonien oder die Herstellung globaler Gerechtigkeit, es geht tatsächlich um den Hass auf die westliche Zivilisation.

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