Wie deutsche Gesetze Frauen in Schein- und Zwangsehen treiben


Foto: e³°°° auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Scheinehen und Zwangsehen sind zwei Übel. Sie sind immer wieder Thema in der Öffentlichkeit – meist forciert vom Gesetzgeber, der Politik. Wie die Geschichte von Julia zeigt, sind es aber gerade deutsche Gesetze, die Frauen in Schein- und Zwangsehen treiben.

Von Julia Rose|MiGAZIN

Als 18-jährige junge Studentin bin ich nach Deutschland eingereist. Ich war voller Hoffnung auf ein neues Leben. Ich habe mich gut integriert, Freundschaften geschlossen, Abschlüsse gemacht und galt als „Mustermigrantin“. Vermutlich war ich eine der verhassten „Wirtschaftsflüchtlinge“, gegen die „Pegida“, Angela Merkel und Der Spiegel Konsens finden.

Natürlich wurde ich nie so behandelt. Denn ich hatte einen deutschen Freund. Er wurde schnell zu einer Art Vermittler zwischen mir und dem Rest der Gesellschaft. Je mehr er mir aber „Deutschland“ erklärte, desto mehr isolierte ich mich. Ich merkte zunehmend, dass meine beruflichen und akademischen Erfolge weniger mit meinen Mühen als mit ihm zusammen hingen. Mein Chef etwa sagte in Anwesenheit von Arbeitskollegen einmal zu mir: „Dein Deutsch ist so gut, du hast bestimmt einen deutschen Freund, wahr?“ Nein, natürlich hatte es nichts mit den vielen Stunden in der Bibliothek und den zahlreichen Büchern zu tun, die ich für die Uni oder aus eigenem Interesse lies. Es musste an meinem deutschen Freund liegen.

Der deutsche Freund wurde irgendwann mein deutscher Mann. Wir waren jung, Anfang 20, und wir lebten schon seit ein paar Jahren zusammen, unsere Familien kannten sich, die meisten interkulturellen Konflikte waren schon überwunden. Dass es nicht geklappt hat, hängt vermutlich damit zusammen, dass wir voreilig waren. Im Fall von binationalen Paaren entwickelt sich zudem eine Art Beziehungsmuster, das allmählich eine innere Hierarchie zwischen den Partnern aufbaut.

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