Skeptiker 4/2015 erschienen

Sind Esoteriker „verrückt“? Wer an Homöopathie, Chemtrails & Co. glaubt, kann doch psychisch nicht ganz gesund sein, oder? SKEPTIKER-Autor Jan Oude-Aost hat genauer hingesehen. Als Mediziner in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und als Skeptiker kennt er die Unterschiede zwischen irrationalen Überzeugungssystemen und psychischen Erkrankungen. In seinem Beitrag zeigt er, wie leicht sich psychisch gesunde Menschen von unsinnigen Vorstellungen überzeugen lassen.

GWUP

Coaching: Wirkungsvolle Methode oder esoterische Managerbespaßung? Personalentwicklung im Kloster, beim Rollenspiel oder auf dem Pferdehof – der Markt für Coaching-Angebote ist ebenso groß wie vielfältig. Doch welche Konzepte bringen Unternehmen und Teilnehmer tatsächlich weiter und wo beginnt die Managerbespaßung? Prof. Uwe Kanning, Wirtschaftspsychologe der Hochschule Osnabrück, hat sich für den SKEPTIKER in der Szene umgesehen.

Gesundheit durch esoterisches Wasser? Werbung und Realität: Sie beleben, informieren oder verwirbeln, und sie sollen Gesundheit und Wohlbefinden stärken: Geräte zur esoterischen Wasserbehandlung lassen die Kasse klingeln. Doch aus Sicht des Verbraucherschutzes sind viele dieser Werbeversprechen fragwürdig, so das Fazit des Chemikers und Wasserexperten Dr. Helge Bergmann.

„Wie eine Glaubensgemeinschaft“: Die Homöopathie-Aussteigerin Dr. Natalie Grams hatte eine gutgehende homöopathische Praxis und glaubte an die Macht der Zuckerkügelchen. Doch je mehr sich die studierte Medizinerin Natalie Grams mit den Grundlagen der Homöopathie beschäftigte, desto größer wurden ihre Zweifel. Inzwischen hat sie die Arbeit als Homöopathin an den Nagel gehängt und ein Buch darüber geschrieben. SKEPTIKER-Chefreporter Bernd Harder unterhielt sich mit Natalie Grams über Talkshows, Placebos und giftende Ex-Kollegen.

Inhaltsverzeichnis

Druckausgabe:https://shop.gwup.org/12-skeptiker-einzelhefte

Skeptiker 4/2015 als PDF/ePaper

Modellprojekt Ufuq.de in Berlin: „Wir wollen Demokratie stärken“

Salafisten protestieren auf dem Potsdamer Platz in Berlin gegen eine Kundgebung der rechstpopulistischen Partei Pro Deutschland. In Berlin wächst die Zahl der erzkonservativen… – Foto: imago/Christian Mang
Salafistischen Agitatoren tritt der Verein „ufuq.de“ seit Jahren mit Präventionsprogrammen entgegen. Ab dem kommenden Jahr sollen verstärkt Lehrkräfte und Pädagogen geschult und unterstützt werden.

Von Florian Brand|DER TAGESSPIEGEL

„Fuck Paris“ – eine Äußerung, die sich über soziale Netzwerke unmittelbar nach den Anschlägen von Paris unter einer Minderheit muslimischer Jugendlicher verbreitet hat. Ein anderer Kommentar war: „Unsere Toten zählen nicht“ – gemeint sind damit nicht die Opfer in der französischen Hauptstadt, sondern die der Anschläge im selben Zeitraum in Beirut oder auf dem Sinai. Alle begangen von islamistischen Terroristen des selbsternannten Islamischen Staates (IS).

„Lehrer sind mit solchen Äußerungen oft überfordert“, sagt Dr. Joachim Müller, Leiter des Vereins ufuq.de. Seit acht Jahren leistet das Projekt, bestehend aus Islam-, Sozialwissenschaftlern und Pädagogen, Präventionsarbeit bei Jugendlichen, um zu verhindern, dass diese mangels identitätsstiftender Alternativen in die religiöse Radikalität abrutschen. „Wir wollen mit dem Verein die Demokratie stärken“, betont Müller.

Ab Januar kommenden Jahres soll das Projekt zur zentralen Anlaufstelle für Pädagogen und Lehrer ausgeweitet werden. Bund und Land wollen mit 130.000 Euro unterstützen. Im Laufe des kommenden Jahres sollen so rund 500 Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Mitarbeiter von kommunalen Verwaltungen durch Fortbildungen und kontinuierliche Beratung bei ihrer Arbeit mit Jugendlichen unterstützt werden.

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Winfried Kretschmann: „Islam muss sich von Gewaltexzessen reinigen“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Muslime in Deutschland zu einer „Reformation“ des Islam aufgerufen. Sie müssten ihre Stimme erheben, wenn der Islam missbraucht werde. Quelle: Die Welt
Baden-Württembergs Regierungschef fordert eine Reformation von Deutschlands Muslimen, damit der Islam „zeitgemäß“ werde. Ängste vor einer Islamisierung des Landes hält Kretschmann für „abwegig“.
Von Hannelore Crolly, Claudia Kade|DIE WELT

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Muslime in Deutschland zur Reformation ihrer Religion aufgerufen. „Der Islam steckt in einer Krise“, sagte Kretschmann der „Welt am Sonntag“. Es gebe vermehrt fundamentalistische Strömungen, die sich auch gegeneinander richteten. „Da ist meines Erachtens Reformation angesagt. Dieses Problem können nur die Muslime selbst lösen.“

Die Muslime müssten sich darum kümmern, dass der aufgeklärte Islam in Deutschland sich nicht zu einem arabischen entwickle, forderte Kretschmann. Sie müssten ihre Stimme erheben, wenn die Religion missbraucht werde. „Der Islam muss sich von diesen gewalttätigen Exzessen reinigen“, forderte der baden-württembergische Regierungschef. Dass sich eine Religion immer wieder reinigen müsse, sei nichts Neues.

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Die göttliche Aura des Mondes

Bild: Wikimedia Commons/Oliver Stein (CC-BY-SA 3.0)
Bild: Wikimedia Commons/Oliver Stein (CC-BY-SA 3.0)
Unsere Urahnen verehrten die Sonne als göttliche Instanz. Ihnen war schon in grauer Vorzeit bewusst, dass alles Leben vom wärmenden Himmelskörper ausgeht. Auch der Mond wurde in früheren Epochen als nächtliches Pendant zur Sonne und «Nachtwächter» angebetet. Die grosse «Lampe» am Himmel weckte stets mystische Gefühle.

Redaktion|Hugo Stamm-Blog/Tages Anzeiger

Mit der geistigen Entwicklung und den wissenschaftlichen Erkenntnissen wandelte sich die Bedeutung von Sonne und Mond. Die Astronomie gab uns Einblicke in die Zusammenhänge des Universums und entmystifizierte unsere zentralen Himmelskörper, die ihre religiöse Bedeutung verloren.

Doch nun drehen Anthroposophie und Esoterik das Rad der Zeit wieder zurück. Im Sinne der ewigen Wiederkunft des Gleichen von Friedrich Nietzsche holen sie den Mond aus der religiösen Mottenkiste. Dabei profitieren die beiden spirituellen Geistesströmungen vom Überdruss breiter Bevölkerungsteile gegenüber Wissenschaft und Technik.

Viele Anthroposophen und Esoteriker glauben, der Planet übe eine starke Wirkung auf Mensch und Natur aus. So achten die anthroposophischen Bauern bei der Bestellung der Felder und bei der Aussaat auf die Mondphase, um ihre biologisch-dynamischen Demeter-Produkte zu gewinnen. Rudolf Steiner, der Gründer der Anthroposophie, verlangt es so. Bereits 1924 hatte der Esoteriker seine ungewöhnliche, auf spirituellen und homöopathieähnlichen Erkenntnissen beruhende Anbaumethode dogmatisch festgeschrieben.

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Papst Franz ist ein primitiver Antikapitalist

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Der Hausherr im Vatikan ist ein Anhänger des korporativen Staates, Gegner des Liberalismus und Individualismus. Damit steht er in der für Südamerika verhängnisvollen Tradition des Peronismus.

Von Alan Posener|DIE WELT

Papst Franziskus nennt sich selbst einen „Apostel der Hoffnung“. Fragt sich nur, worauf er hofft; worauf wir mit ihm hoffen sollen. Um es gleich zu sagen: Wenn der Papst in der zentralafrikanischen Republik eine muslimische Enklave besucht, die von christlichen Terrorgruppen bedrängt wird, und mit dem Imam für den Frieden betet, dann ist das mutig und im wahrsten Sinn christlich.

So mancher hiesiger katholischer Dschihadist könnte sich ein Beispiel an seinem Papst nehmen.

Insbesondere in Deutschland und Österreich, wo eher linke katholische Basisorganisationen wie „Wir sind Kirche“ den Anspruch erheben, das eigentliche Kirchenvolk zu sein, wird Franziskus in der Tat als Apostel der Hoffnung gesehen. Mit ihm werde die Kirche endlich zurückkehren zu den Prinzipien des Zweiten Vatikanischen Konzils, von dem sich Johannes Paul II. und vor allem Benedikt XVI. entfernt haben.

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Hat Mohammed wirklich Gewalt gepredigt und was bedeutet Dschihad?

Al Arabun-Wallfahrt der Schiiten im irakischen Karbala: Die meisten Muslime passen ihren Glauben den alltäglichen Herausforderungen des Lebens an © Mohammed Sawaf/AFP
Die Publizistin Sabatina James wirft dem Islam vor, eine gewalttätige Religion zu sein. Stimmt das? Und was sagt der Koran über den Dschihad und die Scharia? Islam-Expertin Nushin Atmaca aus Berlin gibt Auskunft.

Von Nushin Atmaca|stern.de

Die grundsätzliche Frage, ob der Koran im historischen Kontext oder – und das wäre die fundamentalistische Auslegung – wortwörtlich ausgelegt werden sollte, dominiert viele Diskussionen innerhalb des, aber auch über den Islam. Dabei passt die große Mehrheit der Muslime ihren Glauben den alltäglichen Herausforderungen ihres Lebens an.

Vor diesem Hintergrund lässt sich zur Gewaltanwendung folgendes sagen: Dass Mohammed Gewalt gegenüber Gegnern angewandt hat, lässt sich nicht bestreiten. Aus heutiger Zeit mag diese Gewalt unverhältnismäßig erscheinen, betrachtet man sie im historischen Kontext – 7. Jahrhundert auf der Arabischen Halbinsel – war sie es nicht. Für viele Muslime spielt daher die Frage, wie Mohammed sich als Vorbild in der heutigen Zeit verhalten würde, eine wichtige Rolle. Das Verhalten, das vor rund 1400 Jahren als vorbildhaft galt – darunter die (rechtliche) Besserstellung der Frau im Vergleich zur vorislamischen Zeit – würde heute nicht mehr eins-zu-eins als nachahmenswert gelten, da sich die gesellschaftlichen Umstände in den islamischen Ländern genau wie in der westlich geprägten Welt im Laufe der Geschichte, und nicht zuletzt unter dem Einfluss von Moderne und Globalisierung, grundlegend verändert haben. Vielmehr geht es daher um die Frage nach der Bedeutung und „Übersetzung“ der islamischen Lehren in die heutige Zeit. Darin unterscheidet sich das Christentum nur wenig vom Islam.

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Islam: Maas will Anerkennung und Staatsverträge

Bild: NOZ
Bundesjustizminister Heiko Maas hat mit Blick auf den Islam vor einem „Zwei-Klassen-Regime“ in Deutschland gewarnt. In einem Interview mit unserer Redaktion sagte der SPD-Politiker, „Freiheit ist stets gleiche Freiheit“. Keine Religion dürfe benachteiligt werden.

Von Burkhard Ewert|Neue Osnabrücker Zeitung

Maas betonte, dass Bund und Länder an dem Ziel festhielten, muslimische Gemeinschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts den Kirchen gleichzustellen und das Zusammenleben in Staatsverträgen zu regeln. Einem Burka-Verbot erteilte er eine Absage: Wer die Burka ablehne, solle sie nicht tragen. Um gegen Diskriminierung oder Unterdrückung von Frauen vorzugehen, seien nicht Verbote die Lösung, sondern Bildung und Integration.

Auf die Frage, ob Deutschland sich entschuldigen müsse, weil Musliminnen mit verfassungsrechtlich nicht haltbaren Kopftuchverboten der Weg in den öffentlichen Dienst verwehrt worden sei, sagte der Bundesjustizminister, es gäbe auch in anderen westlichen Demokratien keinen Königsweg im Umgang mit religiösen Symbolen.

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

Herr Maas, welchen Stellenwert messen Sie der Religion in Deutschland bei?

Für mich persönlich hat sie einen hohen Stellenwert. Ich bin in der katholischen Jugendarbeit groß geworden, da wurde mein Sinn für Gerechtigkeit und Nächstenliebe geweckt. Gerade in diesen Tagen ist auch der christliche Glaube für viele Menschen ein starker Antrieb, Flüchtlingen zu helfen. Was steht denn am Anfang des Christentums? Eine Familie unterwegs, in Not und ohne Unterkunft!

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„Platonischer Protest ist zu wenig“

Mit beschmiertem Gesicht posiert Philipp Ruch vom „Zentrum für Politische Schönheit“ vor dem Reichstag in Berlin. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Philipp Ruch, der Gründer des „Zentrums für Politische Schönheit“, präsentiert seine politischen Ideen in einem Manifest. Es zielt auf die Schaffung eines „hartnäckigen Humanismus“, sagt er und kritisiert den „platonischen Protest“ von Online-Petitionen.

Philipp Ruch im Gespräch mit Frank Meyer|Deutschlandradio Kultur

Das „Zentrum für Politische Schönheit“ provoziert gern mit Aktionskunst. Nun hat der Gründer Philipp Ruch sein Manifest geschrieben: „Wenn nicht wir, wer dann? Ein politisches Manifest“. Darin liefert er eine kompromisslose Weltsicht. Sie kreist vor allem darum, wie „wir“ über humanitäres Handeln wieder zu mehr „Schönheit“ finden können.

Im Deutschlandradio Kultur sprach Philipp Ruch über diese neue Epoche von „politischer Schönheit“, die er auch mit seinem Buch voranbringen wolle:

„Ein Akt politischer Schönheit, das könnte so etwas sein wie der Kniefall Willy Brandts in Warschau. Das könnte in der jetzigen Lage aber auch eine Kanzlerin sein, die endlich einmal eine Willkommensrede hält – den inzwischen über eine Million Menschen, die neu in dieses Land gekommen sind.“  

Merkels Satz, „Wir schaffen das“, reiche ihm nicht aus, kritisierte Ruch:

„Das ist keine Willkommensrede. Das ist irgend so eine mutlose Aussage, über die dann debattiert werden kann. ‚Wir machen das‘, wäre mir lieber gewesen.“

Der Begriff des „aggressiven Humanismus“

Die Epoche einer „politischen Schönheit“ soll mit „aggressivem Humanismus“ befördert werden, so lautet eine Aussage in Ruchs Buch. Damit seien allerdings keine gewalttätigen Aktionen gemeint. Er meine vielmehr einen „beharrlichen, hartnäckigen Humanismus“, sagte Ruch:

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Gandhi war ein Rassist

Foto: Eneas De Troya | Flickr | CC by 2.0
Kurz vor Indiens 65. Unabhängigkeitstag, im August 2012, hat Outlook, eine der wichtigsten Zeitschriften des Landes, Ergebnisse einer großen Leserumfrage veröffentlicht. Die ziemlich schleimige Frage: „Wer ist neben Mahatma der größte Inder?“ Mahatma war natürlich Mohandas Karamchand Gandhi.

Von Mayukh Sen|VICE.com

Für Outlook war diese Formulierung ganz selbstverständlich—und das überrascht auch nicht. Gandhi ist zu DEM Sinnbild für Großmütigkeit geworden, nicht nur in Indien, sondern auf der ganzen Welt. Denn wer mag Gandhi nicht? Wir alle kennen diesen gebrechlich aussehenden, mageren und doch edel anmutenden alten Mann, der Moral und Frömmigkeit förmlich verkörpert. Der Typ, der den gewaltlosen Widerstand in Indien etablierte; ein Land, das er aus den Klauen des britischen Empire befreit hat. Er kämpfte sich tapfer durch Hungerstreiks—bis ein nationalistischer Hindu ihn erschoss und ihn damit zum Märtyrer machte.

Mein Großvater väterlicherseits war 1933 zusammen mit Gandhi im Gefängnis. Von kleinauf wusste ich also, dass der „Mythos Gandhi“ nur aus Halbwahrheiten zusammengeschustert war. Nach seiner Knasterfahrung zog sich mein Großvater in einen Aschram in den Tiefen Westbengalens zurück. Gandhi war Teil meiner Erziehung, meine Eltern sprachen mal in den höchsten Tönen und mal sehr kritisch über ihn. Meine Familie hat ihn bewundert, auch wenn wir es nie richtig geschluckt haben, dass er allein die indische Unabhängigkeitsbewegung gelenkt hat. Aber über seine verkappte Intoleranz haben wir zu Hause gar nicht gesprochen. In den Jahren nach seiner Ermordung 1948 hat sich ein makelloses Bild von Gandhi herausgebildet, mit reingewaschener Weste. So lupenrein, dass man den Kern seiner Lehre oft ignoriert: Er war gegen Schwarze, angewidert von weiblicher Sexualität und weigerte sich, die Befreiung der Dalits, der „Unberührbaren“, zu unterstützen.

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Rassenkonflikt: Wer wird in Harvard mundtot gemacht?

© AP Im Zentrum des Rassenkonflikts: der Campus der Harvard Law School
In Harvard wird den Porträts schwarzer Professoren der Mund verklebt. Wer waren die Vandalen? Und was war ihr Ziel? Ein Opfer der Aktion ruft zur Versöhnung im eskalierenden Rassenkonflikt auf.

Von Patrick Bahners|Frankfurter Allgemeine

Die Law School der Harvard-Universität wird möglicherweise ihr Wappen ändern. Es zeigt unter drei aufgeschlagenen Büchern mit der Devise „Veritas“, dem Motto der Universität, drei Weizenbüschel mit Sicheln. Sie stammen aus dem Familienwappen von Isaac Royall, einem 1781 verstorbenen Besitzer von Plantagen auf Antigua, der der Universität das Kapital für die Errichtung des ersten juristischen Lehrstuhls in den Vereinigten Staaten vermachte. Da Royall ein Sklavenhalter war, verlangt eine Gruppe studentischer Aktivisten mit dem Namen „Royall Must Fall“ seine Tilgung aus dem Gedächtnis der Institution. Martha Minow, die Dekanin der Law School, kündigte vergangene Woche in einem Rundbrief die Einsetzung einer Arbeitsgruppe an, die zur Frage, ob das Wappen beibehalten werden soll, „Forschung“ anstellen und eine „Diskussion“ anstoßen wird.

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Todenhöfer und Naidoo – gefährliche Weltinterpreten

Zwei, die sich gefunden haben: Jürgen Todenhöfer und Xavier Naidoo (Foto: dpa)
Der Sänger und der Journalist bieten einfache Lösungen für komplexe Probleme. Was nicht ins Weltbild passt, wird mit einer Verschwörungstheorie erklärt.

Von Johannes Boie|Süddeutsche.de

Da haben sich zwei gefunden. Jürgen Todenhöfer veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite ein Lied von Xavier Naidoo, es heißt „Nie mehr Krieg.“ Der Song ist nichts anderes als eine Verharmlosung des Leides, das Juden während der Nazidiktatur in Deutschland erleiden mussten. In dem Liedtext des schon seit Jahren umstrittenen Sängers heißt es in Bezug auf Muslime in Europa, sie „tragen den neuen Judenstern“.

Selbst wenn man bedenkt, dass Muslime wie auch Juden heutzutage Opfer von Diskriminierung werden können, ist der Vergleich grotesk. Muslime werden in Europa nicht staatlich verfolgt. Im Gegenteil: Nach Attentaten, die Terroristen mit dem Islam begründen, werden die Religion und ihre Anhänger regelmäßig von einer breiten Öffentlichkeit und zahlreichen Politikern laut verteidigt. Aber Fakten interessieren dieses Duo nicht.

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Dodo Schavan: Sie kann nur übers Beten reden

Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)
Annette Schavan (Bild: Wikimedia Commons/Laurence Chaperon, CC-BY-SA 3.0)

Wer Integration will, brauche auch die Debatte über Religion. Dieses äußerte die deutsche Botschafterin im Vatikan Annette Schavan im Radioprogramm NDR Kultur angesichts der massiven Verletzung der Religionsfreiheit und der Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer Religion.

NDR Kultur

„Unsere öffentlichen Debatten über Integration sind deshalb immer auch Debatten über Religion. Wer Integration ermöglichen will, kann Religion nicht übersehen.“ Dazu gehöre auch, dass Kritik Teil der intellektuellen Kultur im Dialog der Religionen sei, so Schavan weiter.

Zum 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils hob Annette Schavan im Rahmen der Reihe „Glaubenssachen“ auf NDR Kultur die Bedeutung dieses Ereignisses für die Kirche von heute hervor. Mit Blick auf aktuelle Debatten um die Religionsfreiheit erklärte die deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, die 1965 verabschiedete Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen („Nostra aetate“) sei noch immer sehr bedeutsam: Die katholische Kirche habe damals das Gespräch mit Gläubigen anderer Religionen gesucht und sich lehramtlich erstmals positiv über nichtchristliche Religionen geäußert.

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Pakistan verweigert Aufnahme von Abgeschobenen

Volksgruppen in Pakistan und den Nachbarländern. Karte: TP
Gestern verweigerte die Federal Investigation Agency in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad 30 Abgeschobenen aus Griechenland den Ausstieg aus ihrer Maschine. Als Grund gab das pakistanische Innenministerium an, dass die Staatsangehörigkeit dieser Personen nicht ausreichend nachgewiesen sei. 19 Abgeschobene, bei denen die Behörden keine Zweifel hatte, wurden von Bord gelassen.

Von Peter Mühlbauer|TELEPOLIS

Für Anfragen, warum die pakistanische Staatsangehörigkeit der 30 Abgeschobene angezweifelt wurde, ist bei der pakistanischen Botschaft in Berlin niemand erreichbar. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten: Dass ein Schübling einer ethnischen Gruppe angehört, die auch jenseits der pakistanischen Grenzen lebt, und die pakistanische Staatsangehörigkeit bestreitet, um seine Abschiebung zu erschweren – oder dass er die pakistanische Staatsangehörigkeit aufgeben wollte und dass pakistanische und europäische Behörden uneins darüber sind, ob dies rechtswirksam geschah oder nicht.

Die erste Möglichkeit kann fast alle Volksgruppen des 1947 gegründeten Staates betreffen: Pandschabis und Urdu-Muttersprachler leben auch in Indien, Belutschen im Iran und in Afghanistan und Paschtunen in Afghanistan. Ob ein Paschtune von östlich oder westlich der pakistanisch-afghanischen Grenze kommt, ist ohne Dokumente für einen Europäer ähnlich schwer feststzustellen wie für einen Nichtmuttersprachler die Herkunft eines Deutschsprechers aus Simbach (Deutschland) oder Braunau (Österreich).

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Wie unser Gehirn Absicht unterstellt

Wie stark wir jemandem Schuld zuweisen hängt stark davon ab, ob wir Absicht unterstellen oder nicht. © Thinkstock / Brian A. Jackson
Absicht oder nicht? Handelt jemand unmoralisch, so unterstellen wir ihm schneller Absicht als bei positivem Handeln. Grund für diesen Gegensatz sind zwei verschiedene Mechanismen im Gehirn, wie Neuropsychologen herausgefunden haben: Je emotionaler wir reagieren, desto eher unterstellen wir Absicht. Bei rationalem Denken bewerten wir das Ergebnis einer Handlung dagegen eher als ungewollten Nebeneffekt, erläutern die Forscher im Journal „Scientific Reports“.

scinexx

Egal ob wir beobachten, wie jemand einem alten Menschen über die Straße hilft oder sich in einer Warteschlange vordrängelt, oder ob wir gar Zeuge eines Verbrechens werden: Wir interpretieren die Absichten anderer Menschen und urteilen danach. Wie eng solche Urteile mit unserem Denken verknüpft sind, zeigt ein philosophisches Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, ein Top-Manager weiß genau, dass sein geplantes Vorgehen die Umwelt schädigen wird. Die Umwelt ist ihm jedoch egal, und er setzt seinen Plan allein wegen des Profits für sein Unternehmen um. Hat er nun absichtlich die Umwelt geschädigt?

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Parteisatzung: CDU-Frauen wollen auch ein bisschen gendern

Bild: FB
Bild: FB

„Der oder die Vorsitzende“ soll bei der CDU schon bald „die oder den Generalsekretär/in“ vorschlagen: Die Frauen Union will laut SPIEGEL-Informationen erreichen, dass die Parteisatzung künftig auch weibliche Formen enthält.

SpON

Obwohl mit Angela Merkel seit 15 Jahren eine Frau an der Spitze der CDU steht, spricht das 55 Jahre alte Parteistatut weiterhin nur von „dem Vorsitzenden“ oder „dem Generalsekretär“. Die Frauen Union der CDU will nach SPIEGEL-Informationen nun mit einem Antrag für den Parteitag Mitte Dezember erreichen, dass die Satzung künftig auch weibliche Formen enthält. (Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Anders als die von der Union oft verspotteten Grünen wollen die CDU-Frauen aber nicht jedes Parteidokument mit Sternchen oder Unterstrichen „durchgendern“, sondern die weibliche Form nur für die im Statut genannten Vorstandsämter der Bundespartei einführen.Unkompliziert sind die Änderungsvorschläge dennoch nicht, so soll es künftig heißen: Der Parteitag wählt „auf Vorschlag der oder des Vorsitzenden die oder den Generalsekretär/in“. Die Antragskommission empfiehlt Zustimmung

Neues Wundermittel bei Haarausfall?

Anscheinend gibt es Grund zur Hoffnung für Menschen mit Haarausfall. Das amerikanische Magazin „Science Advances“ hat unlängst Forschungsergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Columbia University in New York veröffentlicht, die sich intensiv mit modernen Behandlungsmethoden des Haarausfalls beschäftigt. Die Wissenschaftlerin Angela Christiano hat die Studie im Medical Center der Universität geleitet und dabei den Einfluss eines bestimmten Enzyms auf das Haarwachstum entdeckt.

scinexx

JAK-Enzymblocker regen das Haarwachstum an

{1l}Das wissenschaftliche Team untersuchte Prozesse in den Haarfollikeln von Menschen und Mäusen. Hierbei stießen sie auf eine bestimmte Art von Enzymen. Solche, die zu der Familie der sogenannten Januskinasen (JAK) gehören, würden die Entwicklung von neuen Haaren hemmen und die Follikel in die Ruhephase (Endes des Lebenszyklus im Haarwachstum) versetzen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass bei einer Hemmung der Enzyme der natürliche Prozess des Haarwachstums wieder aktiviert und angeregt werden könne. Der entsprechende Versuch an Mäusen innerhalb der Studie war erfolgreich. Für das Ausschalten der JAK-Enzyme kommen zwei Substanzen in Frage – Ruxolitinib und Tofacitinib. Diese sind in Deutschland bereits für die medizinische Verwendung zugelassen und finden bei der Behandlung von Blut- oder Rheumaerkrankungen ihren Einsatz. Eine Ausweitung der Indikation wäre durchaus denkbar und der erste Ansatz in der Entwicklung von JAK-Hemmern zur Behandlung von Haarausfall.

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Türkei stoppt nach EU-Gipfel Tausende Flüchtlinge

Flüchtlinge am Strand von Ayvacik. (Screenshot YouTube)
Die Türkei hat in den vergangenen Tagen 3.000 Flüchtlinge verhaftet und in Internierungslager gebracht. Von dort sollen sie teilweise in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Über die Behandlung der Flüchtlinge durch die türkischen Behörden liegen noch keine Erkenntnisse vor.

Deutsch Türkische Nachrichten

Die türkischen Behörden haben einem Medienbericht zufolge in vier Tagen fast 3000 Flüchtlinge festgenommen, die über die Agäis nach Griechenland weiterreisen wollten. Wie die Nachrichtenagentur Dogan am Freitag unter Berufung auf die Küstenwache berichtete, wurden allein im Ferienort Ayvacik in der Küstenregion Canakkale seit Dienstag insgesamt 2933 Menschen festgenommen, die meisten von ihnen kamen aus Syrien und dem Irak. Festgenommen wurden demnach auch 35 mutmaßliche Schlepper. Hunderte Boote wurden beschlagnahmt.

Am Montag hatten die türkischen Behörden bereits die Festnahme von rund 1300 Flüchtlingen vermeldet. Die Menschen sollen laut Dogan in ein Internierungslager gebracht und teilweise in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden. Die griechische Ägäisinsel Lesbos liegt nur wenige Kilometer von Ayvacik entfernt.

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Bundesländer dringen auf schnellere Asylverfahren

Der Berg unbearbeiteter Asylanträge sorgt für Unmut bei den Bundesländern. Sie fordern vom Bund deutlich mehr Tempo. Besorgt sind die Innenminister auch über die gestiegene Terrorgefahr.

evangelisch.de

Die Bundesländer haben den Bund eindringlich aufgefordert, so rasch wie möglich für schnellere Asylverfahren zu sorgen. Zum Abschluss der Innenministerkonferenz in Koblenz zeigten sich am Freitag mehrere Minister verärgert darüber, dass sich noch immer Hunderttausende unbearbeitete Anträge im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stauen. Frühestens im Mai wird das Bundesamt nach den Worten seines Leiters Frank-Jürgen Weise in der Lage sein, die Asylanträge von 80.000 Flüchtlingen im Monat zu bearbeiten. Weiteres zentrales Thema des Ministertreffens war die wachsende Terrorgefahr in Deutschland.

Die Zahl der Asyl-Entscheider solle bis April verdoppelt werden, dann könne das Bundesamt ab Mai 80.000 Anträge pro Monat bewältigen, versprach der von den Innenministern eingeladene Bundesamtschef Weise nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD). Weise habe die Zahl der Asylbescheide pro Tag nach eigenen Angaben von 1.000 auf 1.600 erhöht. Das seien aber noch immer lediglich „50 Prozent der Eingänge“. Aktuell gibt es nach Lewentz‘ Worten einen Rückstau von 300.000 unbearbeiteten Asylanträgen. Hinzu kämen Hunderttausende Fälle von Flüchtlingen, deren Verfahren noch gar nicht begonnen habe.

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Knitterfreie Nano-Eierkartons

Formstabil: Die freistehenden Platten aus Aluminiumoxid springen auch nach dem Verbiegen in ihre Form zurück. © University of Pennsylvania
Klebt nicht, knittert nicht: Ein neues Nanomaterial ist hundertmal dünner als Haushaltsfolie, springt aber immer in seine stabile Form zurück. Wissenschaftler haben dazu Nanoschichten aus Aluminiumoxid mit einem Muster versehen, das an Eierkartons erinnert. Aus den entstandenen Platten ließen sich zum Beispiel ultradünne Flügel für insektenartige Roboter herstellen, schreiben die Forscher im Magazin „Nature Communications“.

scinexx

Nanomaterialien wie Graphen machen Dinge möglich, die noch bis vor wenigen Jahren futuristisch erschienen: Bauteile für Quantencomputer, biegsame Bildschirme oder ultradünne Glühlampen sind nur einige Anwendungsbeispiele. Und nicht nur wegen seiner elektronischen Eigenschaften ist Graphen begehrt, es ist auch mechanisch bemerkenswert stabil: Eine Hängematte aus einer einzigen Lage des Materials könnte rein rechnerisch das Gewicht einer Katze tragen.

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How to Ethically Modify the DNA of Humans

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
For the last three days, some of the world’s leading geneticists and bioethicists have more or less locked themselves in a room in Washington DC with the express purpose of determining whether humans should use genome editing tools on themselves. Thursday, they released a statement that could help guide the genetically modified future of our species.

By Jason Koebler|MOTHERBOARD

There is widespread interest in using CRISPR, which allows the targeted editing of specific genes, to potentially end genetic disease in humans. There’s also interest among transhumanists and others interested in improving the genetic makeup of the human race to use the technology to make us live longer, age slower, and otherwise enhance the experience of being a human.

The statement, signed by officials from the Chinese Academy of Sciences and top researchers from the United Kingdom, Germany, and the United States, and released by the National Academy of Science is the clearest ethical statement yet made on the subject. That doesn’t mean we’ve got any more statutory or regulatory clarity on the issue of modifying human DNA using tools such as CRISPR, which allow targeted edits to certain genes.

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