Ich distanziere mich vom christlichen Mörder


(Illustration: Gabi Kopp)
Viele Gewalttäter geben vor, im Namen einer Religion zu handeln. Wie sollen Glaubensbrüder auf solche Taten reagieren? Unser Kolumnist will mit Mördern nichts zu tun haben.

Von Thomas Maissen|Neue Zürcher Zeitung

Vergangene Woche hat ein Baptist in einer Abtreibungsklinik in Colorado Springs drei Menschen erschossen. Der Mörder beruft sich wohl auf die Heilige Schrift, so Exodus, 21, 22–24, hier nach der Lutherbibel von 1984: «Wenn Männer miteinander streiten und stossen dabei eine schwangere Frau, sodass ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll’s geben durch die Hand der Richter. Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fuss.» Christliche Fundamentalisten deuten diese interpretationsbedürftige Stelle so, dass Gott Abtreibungen als Mord ansieht und dafür die Todesstrafe vorsieht.

Als getaufter Christ bin ich tief betroffen von dieser Gewalttat. Ich distanziere mich von dieser Verirrung und bitte die Opfer um Verzeihung für das, was ein Christ ihnen angetan hat.

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