Die Untoten der Physik


Universum Nasa, Esa, Hubble SM4 ERO Team
Universum Nasa, Esa, Hubble SM4 ERO Team
Auch die Physik kennt ihre wissenschaftlichen Zombies: sechs unerklärliche Beobachtungsergebnisse, die Forscher bislang weder endgültig beweisen noch widerlegen konnten.

Von David Castelvecchi|Spektrum.de

Wenn eine wissenschaftliche Beobachtung angeblich etwas wirklich Neues zeigt, dann sollten nachfolgende Experimente sie entweder bestätigen – und damit eine Überarbeitung der Lehrbücher auslösen – oder widerlegen, also als statistische Anomalie oder experimentellen Fehler entlarven. Doch einige Beobachtungsergebnisse scheinen für immer in der zwielichtigen Zone zwischen Licht und Dunkelheit stecken zu bleiben. Willkommen im Reich der untoten Physik: Immer wieder für tot erklärt, kehren die Phänomene wie Zombies stets erneut zurück.

Die Achse des Bösen

Das Nachglühen des Urknalls, also die kosmische Hintergrundstrahlung, sollte uns aus allen Richtungen nahezu gleich stark erreichen. Die Temperatur der Strahlung variiert an verschiedenen Stellen nur um weniger als ein hunderttausendstel Grad Celsius. Die Kosmologen hatten erwartet, dass diese winzigen Temperaturschwankungen rein zufällig am Himmel verteilt seien. Doch als die Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP) der NASA 2003 die Hintergrundstrahlung genauer untersuchte, traten unerwartete Dinge zu Tage: Am Südhimmel zeigte sich ein mysteriöser kalter Fleck; die Temperaturunterschiede zwischen großen Himmelsregionen waren sogar noch geringer als erwartet, und Temperaturschwankungen bestimmter Größenordnungen schienen gewissermaßen entlang einer bevorzugten Richtung ausgerichtet zu sein: der „Achse des Bösen“.

Manche Wissenschaftler vermuteten, diese Muster könnten Artefakte der WMAP-Messungen sein. Doch auch nachfolgende Beobachtungen von WMAP sowie noch genauere Messungen der ESA-Mission Planck zeigten dieselben Phänomene. „Das Thema verharrt seit etwa zehn Jahren im Zombie-Zustand“, so der Kosmologe Kendrick Smith vom Perimeter Institute for Theoretical Physics im kanadischen Waterloo, ein Mitglied des Planck-Teams.

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