Geduldetes Gift – EU will Grenzwerte für Quecksilber lockern


Quecksilbertropfen in Ampulle; Bild: Dnn87/CC BY 3.0
Quecksilber ist hochgiftig für Mensch und Tier. Es findet sich nicht nur in Abraumhalden brasilianischer Eisenerzminen, sondern wird auch von deutschen Kohlekraftwerken emittiert. Es ist in Pestiziden enthalten und reichert sich in Nutztieren an. Trotz aller gesundheitlichen Gefahren plant die EU, die Grenzwerte für Quecksilber zu lockern

Von Susanne Aigner|TELEPOLIS

Anfang November 2015 brach im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais der Damm eines Rückhaltebeckens einer Eisenerzmine. Eine gewaltige Schlammlawine wälzte sich über ein kleines Dorf hinweg, begrub Häuser und ein Dutzend Menschen unter sich, bevor sie sich in den Rio Doce ergoss. Der „Süße Fluss“, bis dahin ein artenreiches, sauberes Gewässer, verwandelte sich binnen weniger Tage in einen biologischen Friedhof.

Die Lebensgrundlagen der Flussbewohner, die bis dahin in unberührter Natur lebten und der Lebensraum der Fische, Schildkröten und anderer Flusstiere waren von einem auf den anderen Tag zerstört. Rund 280.000 Menschen waren von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten und auf Wasserspenden aus Tanks und Plastikflaschen angewiesen. Das Unglück betrifft 15 Millionen Menschen in 228 Städten.

Nach Angaben von Umweltexperten gelangten 50 Millionen Tonnen giftige Überreste der Mine in die Umwelt. Der Schlamm enthielt neben hohen Mengen an Arsen, Cadmium, Kupfer und Blei auch Chrom, Nickel und Quecksilber – ein Cocktail, der alle Flusslebewesen tötete. Überall dort, wo die Brühe auf ihrer 650 Kilometer langen Reise zum Atlantik vorbeikam, hinterließ sie nichts als giftigen Schlamm und tote Fische am Ufer. Es wird wohl einige Jahre dauern, bis sich der Fluss regeneriert hat.

Zwei Wochen nach dem Dammbruch erreichte die 62 Millionen Kubikmeter starke Schlammflut aus Schutt und giftigen Mineralien den Atlantik im Bundesstaat Espirito Santo. Was das Gift im Atlantik anrichten wird, darüber kann nur spekuliert werden. Brasilien verklagte daraufhin die australisch-britische BHP, die mit der brasilianischen Vale über das Unternehmen Samarco www.samarco.com.br die fragliche Mine betreibt, auf einen Schadenersatz von umgerechnet 4,9 Milliarden Euro. Doch Samarco lehnt jede Verantwortung ab.

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