Sorge vor neuem Antisemitismus: „Wir hoffen, dass der Staat stark genug ist“


Ein junger Mann mit einer Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
In den jüdischen Gemeinden in Deutschland wächst die Sorge vor einem neuen Antisemitismus. Viele Flüchtlinge kämen aus Ländern, in denen Judenfeindlichkeit zum Alltag gehöre, warnen sie. Befürchtet wird, dass vor allem Jugendliche den Antisemitismus aus ihren Heimatländern mitbringen und Übergriffe zunehmen könnten.

Von Sabine Adler|Deutschlandfunk

Leon Golzmann arbeitet in einem Hotel am Berliner Ku-Damm. Er überwacht hier und in anderswo, ob Restaurants, die koscheres Essen anbieten auch wirklich alle Regeln dafür einhalten. Zum Interview erscheint er wegen eines dringenden Auftrags nicht selbst, dafür kommt der Vater. Ischir Golzmann. Mit Frau und Kindern durfte er 1973 die Sowjetunion verlassen, sie gingen nach 1973 nach Israel, später nach Deutschland. Seit 37 Jahren leben sie in Berlin. Ischir Golzmann trägt eine Kippa. Die beigefarbene Kappe fällt kaum auf seinem grauen Haar kaum auf, trotzdem hat er sie erst im Hotel aufgesetzt. Auf der Straße trägt er sie nicht. Von Angst mag der 70jährige nicht sprechen, von Sorgen schon.

„Wir hoffen, dass der Staat stark genug ist, um die Situation unter Kontrolle zu halten. Wir versammeln uns als Juden in der jüdischen Gemeinde und werden gut bewacht. Und auf der Straße sind wir so gut angepasst, dass man die meisten Juden nicht mehr erkennt. Wenn man wie ich ohne Kippa geht, denkt man das ich Türke bin oder so etwas. Aber mein Sohn, der Leon, ist ein prinzipieller Jude. Der geht in so einem Aufzug, dass man ihn schon von Weitem als Jude erkennt. Aber der hat keine Angst.“

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